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Wie funktioniert die US-Wahl?


Dieser Artikel ist Teil unserer Reihe zur US-Wahl. Alle Artikel findest du hier: US-Wahl 2020

 

Am 29. September findet die erste "Presidential Debate" zwischen dem amtierenden U.S.-Präsidenten Donald J. Trump und dessen Herausforderer Joseph R. "Joe" Biden statt. Die 59. Wahl der Vereinigten Staaten wird von besonderer Bedeutung sein. Nicht nur, weil die beiden Kandidaten für entgegengesetzte Ideale der USA stehen, sondern auch aufgrund der Herausforderung, die die Corona-Pandemie darstellt. Im Gegensatz zu Deutschland ist die Brief-Wahl in den USA nämlich nicht besonders gängig und zudem nur in 34 der 50 Staaten möglich. Auch das Konzept des U.S.-Wahlsystems unterscheidet sich drastisch von dem Deutschlands.


Zunächst haben wir in den USA - abgesehen von kleineren Parteien, die nie eine Mehrheit erlangen - eigentlich nur zwei große Parteien: Die Demokratische Partei, welche eher einen liberalen Standpunkt vertritt und die Republikanische Partei, die eher dem konservativen Spektrum zugeordnet werden kann (dies mag nicht zwingend für einzelne Parteimitglieder gelten). Der derzeitige Präsident Donald J. Trump gehört den Republikanern an, während sein Konkurrent Joe Biden Demokrat ist.

Demokrat Joe Biden | Quelle: https://joebiden.com/joes-vision/
Demokrat Joe Biden | Quelle: https://joebiden.com/joes-vision/
Republikaner Donald Trump
Republikaner Donald Trump

Die Wahl der Vereinigten Staaten kann in zwei Abschnitte unterteilt werden

In den "Primaries" werden unter den anfänglich mehreren Kandidaten der jeweiligen Parteien die finalen Präsidentschaftsanwärter nominiert. Hierbei handelt es sich um eine Art Vorwahl, in der sog. Deligierte von der amerikanischen Bevölkerung gewählt werden und dann wiederum ihre Stimme an einen der Kandidaten der eigenen Partei vergeben. Die finalen Kandidaten der Parteien - in unserem Fall Joe Biden und Donald Trump - nehmen die Nominierung dann zeremoniell während der Democratic National Convention (DNC) bzw. der Republican National Convention (RNC) an. Daraufhin folgen die "Presidential Debates", TV-übertragene Debatten, in denen die Konkurrenten ihren Amtspläne darlegen, sich teils aber auch gegenseitig harsch attackieren.

 

Die finale Wahl findet dann aus historischen Gründen stets am ersten Dienstag nach dem ersten Montag im November statt, sodass der Wahltag immer auf ein Datum zwischen dem 2. und 8. November fällt. Die diesjährige Präsidentschaftswahl wird am 3. November abgehalten. Hierbei wird auch gleichzeitig das gesamte Repräsentantenhaus, sowie 1/3 des Senats, also die Legislative der USA neugewählt. Das besondere an der US-Präsidentschaftswahl ist, dass die Bürger nicht direkt einen der beiden Kandidaten wählen, sondern für sog. Wahlmänner/-frauen abstimmen, die ihre Stimme wiederum einem der Kandidaten zugesagt haben. Die Anzahl dieser Abgeordneten pro Bundesstaat ist proportional zu dessen Bevölkerungsgröße. Diese insgesamt 538 Mittelspersonen werden "Member" des "Electoral Colleges" genannt, das 41 Tage nach der Wahl zusammenkommt und symbolisch den Präsidenten wählt. Dieser steht verständlicherweise bereits nach der offiziellen Wahl fest, da klar ist, ob mehr republikanische oder demokratische Wahlmänner/-frauen gewählt wurden.

 

Ein weiterer Unterschied zum deutschen Wahlsystem ist das Winner-Takes-It-All Prinzip, das in 48 von den 50 Bundesstaaten gilt. Dies bedeutet, dass ein Kandidat, der die Mehrheit der Wahlmänner-/frauen Stimmen in einem Bundesstaat gewinnt, auch die Stimmen aller übrigen Wahlmänner-/frauen dieses Staates erhält. Selbst wenn diese ihre Stimmen der anderen Partei zugesagt haben. Dieses Prinzip wird oft als "undemokratisch" und fehlerhaft bezeichnet. Es ist auch der Grund, weshalb Donald Trump im Jahr 2016 die Wahl für sich entscheiden konnte, obwohl eine absolute Mehrheit der Bevölkerung für Hillary Clinton bzw. die Demokratische Partei gestimmt hatte.

 

Ein interessanter Fakt ist ebenfalls, dass in den USA die Wahlbeteiligung extrem niedrig ist. Gerade mal etwas mehr als 50% der U.S.-Bürger gehen wählen, womit die USA im Vergleich zu europäischen Wahlbeteiligungen deutlich hinten liegt. Dies hängt damit zusammen, dass man sich in den Vereinigten Staaten - anders als in Deutschland - registrieren muss, um an einer Wahl teilnehmen zu dürfen.

 

In der derzeitigen nationalen Umfragen liegt Joe Biden (51%) vor Donald Trump (43%). Dennoch kann hiermit keinesfalls abgeschätzt werden, welcher der beiden Kandidaten die Präsidentschaft für sich gewinnen wird. Gründe dafür sind das Winner-Takes-It-All Prinzip, die kommenden Debatten, sowie die verbleibende Zeit bis zu den Wahlen. Zum Vergleich: Laut Umfragen lag Donald Trump 2016 bis zur finalen Wahl hinter Hillary Clinton.

 

In unseren kommenden Artikeln werden wir euch natürlich über den Verlauf und das Ergebnis der diesjährigen U.S.-Präsidentschaftswahl auf dem Laufenden halten.

 

- Moritz Müller, Redakteur

Quellen:

Wahlsystem in den USA: So wird der US-Präsident gewählt

View latest 2020 presidential polling

RealClearPolitics - Election 2016 - General Election: Trump vs. Clinton

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