· 

Wer war "notorious" Ruth Bader Ginsburg?


Bei dem Spitznamen Notorious RBG denkt ihr vermutlich zuerst an den verstorbenen Rapper "Notorious BIG" und nicht an eine der höchsten Richterinnen der USA. Dennoch, dieser Name ist sehr zutreffend für Ruth Bader Ginsburg. Einer Richterin, die von ihren Fans bewundert wird, wie es normalerweise nur in der Pop-Kultur üblich ist: zahlreiche Merchandise-Artikel, wie T-Shirts und Tassen mit dem abgedruckten Gesicht der Richterin wurden verkauft. Fans wollten Autogramme von und gemeinsame Selfies mit der über 80-jährigen Juristin.

 

Doch woher stammt die Beliebtheit der nun verstorbenen Juristin?

Ruth Bader Ginsburg wurde 1933 in Brooklyn als Tochter jüdischer Eltern geboren. Ihr Literatur-Studium absolvierte sie an der renommierten Cornell Universität, wonach sie an die Harvard Law School ging. Dort studierte sie als eine von neun Frauen in einem Jahrgang mit mehr als 500 Männern Jura. In dieser Zeit jonglierte sie das Jurastudium, die Fürsorge für ihr einjähriges Kind und die Pflege ihres kurzzeitig an Krebs erkrankten Mannes gleichzeitig und war dennoch unter den besten 25 Studenten ihres Jahrgangs. Als ihr wieder genesener Mann, Martin Ginsburg, ein Jobangebot in New York erhielt, setzte Ruth ihr Jurastudium an der dortigen Columbia Law School fort. Als sie 1959 ihren Abschluss in Jura erhielt, sah die gesetzliche Landschaft der Frauenrechte noch ganz anders aus:

  • Arbeitgeber konnten Angestellte bei Eintritt einer Schwangerschaft entlassen.
  • Wollte eine Frau einen Kredit aufnehmen, so verlangten Banken meist die Zustimmung des Mannes.
  • Vergewaltigung in der Ehe wurde meist nicht strafrechtlich verfolgt.
Ruth Bader Ginsburg
Ruth Bader Ginsburg | Quelle: By Supreme Court of the United States - Supreme Court of the United States (Source 2), Public Domain

Doch all dies sollte sich mit Ruth Bader Ginsburg ändern

Ihre Karriere begann die junge Juristin als Rechtsassistentin am Gericht des Southern District of New York. Zwei Jahre später begann sie als Jura Professorin an ihrer Alma Mater, der Columbia Law School zu lehren. In dieser Zeit setzte sie sich bereits stark für die Frauenrechtsbewegung ein und übernahm erste Rechtsfälle gegen Diskriminierung.

 

Ginsburgs erster wichtiger Fall "Frontiero v. Richardson" (in den USA werden Präzedenzfälle stets mit den Namen des Klägers bzw. Verteidigers betitelt) zog sich bis vor den Supreme Court. Hier argumentierte sie erfolgreich, dass es nicht gesetzmäßig sei, weiblichen Soldaten der US-Army aufgrund ihres Geschlechts einen finanziellen Wohnzuschlag vorzuenthalten.

Bei ihrem nächsten Rechtsstreit "Weinberger v. Wiesenfield" zog Ginsburg erneut vor den Supreme Court. In diesem Fall war ihr Mandant jedoch ein Mann. In den 1970er Jahren stand verwitweten Männern keine finanzielle Unterstützung beim Großziehen des Kindes zu. Dies war ausschließlich Frauen vorbehalten. Ginsburg, die nicht nur für die Gleichberechtigung der Frauen, sondern für generelle geschlechtliche Gleichberechtigung plädierte, konnte diesen Streitfall ebenfalls gewinnen.

Insgesamt zog Ginsburg sechs mal im Namen der geschlechtlichen Gleichberechtigung vor den Supreme Court, wobei sie fünf von diesen Fällen gewann.

 

1980 nominierte Präsident Carter die erfolgreiche Juristin zur Richterin am Berufungsgericht des District of Columbia. Dieses Amt bekleidete sie bis 1993, bis Präsident Clinton sie als Richterin am Supreme Court nominierte. In ihrer Zeit als oberste Richterin entschied Ginsburg zusammen mit den acht anderen obersten Richtern*innen über zahlreiche Fälle und läutete den Weg in eine progressive Ära ein.

Präsident Carter
Präsident Carter (rechts im Bild)

Während ihrer Amtszeit förderte sie die Inklusion Bildungseinrichtungen jeglicher Art ("United States v. Virginia"). Darüber hinaus war sie eine lautstarke Befürworterin des Rechts zur Abtreibung und stand für die LGBTQ-Rechte ein. Bekannt für ihre Sondervota, gelang es ihr sogar, den Congress zu überzeugen, eine Entscheidung des Supreme Courts über ein Gesetz bzgl. Geschlechter-Diskriminierung zu korrigieren ("Ledbetter v. Goodyear").

Ruth Bader Ginsburg diente bis zu ihrem Tod am 18. September 2020 siebenundzwanzig Jahre lang am Supreme Court. Als Juristin schuf sie die Grundlagen für eine Gesellschaft der Gleichberechtigung und Gerechtigkeit. Mit 87 Jahren war sie immer noch eine der bedeutendsten Personen der amerikanischen Gesellschaft. Mit ihren Überzeugungen war sie nicht nur wegweisend für die USA, sondern für die ganze Welt.

Um ihrem Verdienst gerecht zu werden, wird ihr Sarg derzeit im Rundbau des Capitols zur öffentlichen Ehrung aufbewahrt. Ruth Bader Ginsburg ist die erste Frau und erste Jüdin, der diese Ehre (das sog. "Lying in State") zuteil wird.

 

"Tzedek tzedek tirdof (Gerechtigkeit, Gerechtigkeit, du sollst walten)"

- jüdisches Sprichwort über der Tür zu Ginsburgs Büro

 

- Moritz Müller, Redakteur

Lies gleich weiter:

Unser letzter Artikel: Wie die Hofladenbox für ein Umdenken der Bevölkerung kämpft
Unser letzter Artikel: Wie die Hofladenbox für ein Umdenken der Bevölkerung kämpft
Der letzte Artikel zur US-Wahl: Wie funktioniert die US-Wahl?
Der letzte Artikel zur US-Wahl: Wie funktioniert die US-Wahl?

Kommentar schreiben

Kommentare: 0