· 

Jung: "Wir haben mit Sicherheit noch nicht den Höhepunkt erreicht"


Dr. Thomas Jung, gerade einmal seit einigen Wochen wiedergewählt, befindet sich in einer sehr turbulenten Zeit. Das Corona-Virus bestimmt auch seinen Alltag. In dieser schwierigen Zeit gab er uns ein telefonisches Interview, in dem wir ihn zur aktuellen Lage befragten.

Wir empfehlen euch, um die Fragen besser nachvollziehen zu können, unseren Artikel über die letzte Pressekonferenz zu lesen. Die heutigen Interview-Antworten haben wir in einen Artikel verpackt, viel Spaß beim Lesen und frohe Ostern!

Dr. Thomas Jung, Fürths Oberbürgermeister | Quelle: SPD Fürth
Dr. Thomas Jung, Fürths Oberbürgermeister | Quelle: SPD Fürth

Die neulich eingerichtete Drive-In Station zur Testung von Corona-Verdachtsfällen funktioniert bis jetzt reibungslos. Täglich werden hier um die 100 Personen getestet, ab Dienstag werden voraussichtlich 200 Testungen pro Tag vorgenommen werden können. Auch das Klinikum ist gut gewappnet, zur Zeit sind dort 150 Plätze frei, insgesamt befinden sich 40 Corona-Patienten in Behandlung, 11 davon auf der Intensivstation. Jung spricht von einer „stabilen Situation“, bei der man sich keine Sorgen machen muss.

Auch die Aufstockung der Beatmungskapazitäten war erfolgreich. Fürth selbst braucht sie bis jetzt noch nicht, da die Situation in der Oberpfalz aber so verheerend ist, könnten sie in naher Zukunft teilweise durch Oberpfälzer Patienten belegt werden. Zudem können Proben nun auch im eigenen Labor des Klinikums analysiert werden, was die Bearbeitungszeit verkürzt.

 

 

Auf die Frage, ob Infektionsketten noch zielführend ermittelt werden können, sagt Jung, dass dies in manchen Fällen noch möglich ist, dennoch werde stark darauf geachtet, verdächtige Personen in Quarantäne zu schicken, Stand Donnerstag waren das 120. Das Durchschnittsalter der verstorbenen Personen liegt bei über 80 Jahren, alle Patienten hatten Beeinträchtigungen, Jung betont dennoch das ist „Stand jetzt“, was die Zukunft bringt, kann er nicht sagen.

Bezüglich der Corona-Infektionszahlen ist zu bemerken, dass es in Fürth Land deutlich mehr nachgewiesene Infektionen als im Stadtgebiet gibt. Das liegt laut dem Oberbürgermeister daran, dass die betroffenen Alten- und Pflegeheime eine hohe Zahl ausmachen. In der Stadt ist es nur ein Altenheim, das alleine 1/3 der Fälle verursacht.

Hier kommst du zu den aktuellen Corona-Infektionszahlen, die täglich aktualisiert werden
Hier kommst du zu den aktuellen Corona-Infektionszahlen, die täglich aktualisiert werden

Die Situation außerhalb des Gesundheitswesens scheint ebenfalls relativ ruhig, Verstöße gegen das Kontaktverbot und die Ausgangsbeschränkungen sind laut Jung erst „eine Handvoll“ vernommen worden, auch wurden Passanten aufgefordert, eine Parkbank zu räumen. Mittlerweile ist es aber wieder erlaubt, sich alleine und mit nötigem Mindestabstand (1,5 - 2 Meter) auf einer Bank niederzulassen.

 

58 Millionen Euro werden fehlen

Die Wirtschaft wird durch Covid-19 stark getroffen, das ist allen klar, die aktualisierte Zahl der Stadt Fürth beläuft sich auf 58 Millionen Euro. Das ist das aktuell berechnete Defizit der Stadt Fürth, das unter anderem aus wegfallenden Steuern hervorgeht. Je nachdem, wie lange die Krise andauert, kann diese Zahl höher oder niedriger ausfallen. Fürth sei dafür mit 80 Millionen Euro an Rücklagen jedoch gut gewappnet und könne diese Krise 1,5 Jahre lang überstehen, versichert uns das Stadtoberhaupt. Bezüglich der Arbeitslosenquote gibt es einen errechneten Anstieg von derzeit fünf auf 5,5 bis sechs Prozent. Das ist allerdings kein Vergleich zur Quelle-Pleite vor einigen Jahren, als die Quote auf 13 Prozent hochschnellte.

 

Neben der angekündigten Finanzhilfen von Bund und Ländern versucht die Stadt Fürth den Unternehmen so gut es geht unter die Arme zu greifen. So fallen Sondernutzungsgebühren gegenüber der Stadt während der Zeit der Schließung weg, der Zeitraum wird eventuell noch auf den Rest des Jahres ausgeweitet. Für Gastronomien, wie der Terrazza, die direkt bei der Stadt Fürth eingemietet sind, werden Stundungsvereinbarungen angeboten.

 

Auch die Abfallentsorgung bleibt weiterhin garantiert: Trotz geringerer Fahrzeugbesatzung und eventuellen Verzögerungen in der Abholung versichert Jung: „Die Abfallwirtschaft darf niemals zusammenbrechen! “. Zudem könnten die Recycling- und Wertstoffhöfe ab dem 20. April wieder öffnen, ganz sicher ist das allerdings noch nicht.

 

Auch der Fürther Stadtrat steht vor Schwierigkeiten: Die Sitzungen werden nun in der Stadthalle und in geringerer Besatzung abgehalten, um den Mindestabstand einhalten zu können. 

 

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern frohe Ostern, denkt aber bitte daran: Egal, wie groß die Versuchung ist, bleibt Zuhause und verzichtet auf soziale Kontakte, wir und vor allem das Gesundheitswesen dankt euch.

 

- Luca Schallenberger, Chefredakteur

Unser letzter Artikel
Unser letzter Artikel

Kommentar schreiben

Kommentare: 0