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Lerntipps: Dein Weg zum Einser-Durchschnitt


Schon damals in der Oberstufe gab uns meine Psychologielehrerin den nicht ganz ernst zu nehmenden Rat: „Wer betrunken für eine Klausur lernt, schneidet besser ab, wenn er diese Klausur auch betrunken schreibt“. Zwar habe ich diese gewagte Hypothese nie selbst ausprobiert, doch dafür habe ich mich bei ganz anderen Lernstrategien wild ausgetobt – und mein Abitur erfolgreich bestanden.

 

Für einige von euch, die Medizin, Psychologie oder Pharmazie studieren wollen, schwebt der Gedanke an den Numerus Clausus sicherlich bedrohlich durch euren Kopf, wenn ihr euch für die nächste Klausur vorbereitet. Bestimmt gibt es aber auch viele unter euch, die sich aus anderen Gründen für ihr Abitur mächtig ins Zeug legen. Gute Noten gehen leider häufig mit Fleiß Hand in Hand – aber auch mit einem Funken Kreativität. An alle, die noch Inspiration für die Abiturvorbereitung suchen, möchte ich meine Erfahrungen und ausgefallensten Lerntipps weitergeben.

 

Achtung: Dieser Artikel spiegelt lediglich die persönlichen Erfahrungen der Autorin wider und trifft keine psychologisch fundierten Aussagen über die Wirksamkeit einzelner Methoden. 

 

1. Lernmethoden

Gutes Lernen ist schlaues Lernen. Mit ein paar einfachen Tricks gelingt es euch, auch langweilige Informationen besser im Gedächtnis zu behalten. 

 

a. Loci-Methode (Schwierigkeitsgrad: Leicht)

Gerade Schulfächer wie Biologie und Geschichte erfordern häufig, dass man den Lernstoff nicht nur verstanden, sondern auch auswendig gelernt hat. Doch vielleicht ist euch schon mal vor lauter Aufregung ein einzelner Stichpunkt in der Klausur nicht mehr eingefallen. Die Loci-Methode kann euch nur mithilfe eines kleinen Spazierganges dabei helfen, euch Fakten und Merkmale besser einprägen zu können.

 

Stellt euch für dieses Beispiel vor, ihr müsst den Ablauf der Mitose auswendig lernen.

 

1. Schritt: Die passende Gedächtnisroute finden

Zuerst müsst ihr euch eine Route aussuchen, die ihr gut kennt. Das kann im wortwörtlichen Sinn etwa euer Schulweg oder der Weg durch den Supermarkt sein, aber hier sind eurer Kreativität keine Grenzen gesetzt. Mein Lieblingsbeispiel ist die Körperroute. Merkt euch genau, welche Stationen ihr bei eurer Route ablaufen möchtet.

Bei der Körperroute wähle ich zum Beispiel:

Kopf

Schultern

Knie

Zehen

 

2. Schritt: Fakten und Gedächtnisroute verbinden

Ordnet nun die Elemente, die ihr auswendig lernen möchtet – in unserem Beispiel: Phasen der Mitose – einer Station in der Gedächtnisroute zu.

Kopf: Prophase

Schultern: Metaphase

Knie: Anaphase

Zehen: Telophase

Zusätzlich könnt ihr das jeweilige Körperteil mit euren Händen berühren und die Phase der Mitose laut aussprechen.

 

3. Schritt: Das Einprägen der fertigen Gedächtnisroute

Immer wenn ihr euer gelerntes Wissen wiederholt, lauft ihr nun in Gedanken eure Gedächtnisroute ab. Wenn ihr euren Schulweg oder eine andere häufig benutzte Strecke als Gedächtnisroute ausgewählt habt, könnt ihr die einzelnen Stationen auch tatsächlich ablaufen. Wenn ihr nun in der Klausur den Ablauf der Mitose beschreiben müsst, könnt ihr in euren Gedanken entspannt eurer Gedächtnisroute entlang spazieren, um euch an die Phasen der Mitose leichter zu erinnern.

b. Eselsbrücken (Schwierigkeitsgrad: Leicht)

Mit den Anfangsbuchstaben aus einer Liste von Wörtern, die ihr auswendig lernen müsst, könnt ihr euch leicht lustige Eselsbrücken basteln.

 

Nehmen wir beispielsweise die Planeten unseres Sonnensystems:

Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun

Ein wohl bekannter Merkspruch lautet:

Mein Vater Erklärt Mir Jeden Sonntag Unseren Nachthimmel.“

 

Kleiner Tipp: Am besten funktionieren bizarre und schmutzige Eselsbrücken. Tausende Medizin- und Psychologiestudierende rufen sich wohl den „onanierenden Onkel Otto“ ins Gedächtnis, wenn sie sich an die Hirnnerven erinnern wollen. Wie der gesamte Merkspruch lautet, verrate ich hier lieber nicht.

 

Kleiner Tipp an alle (zukünftigen) Medizinstudent*innen: https://www.thieme.de/viamedici/vorklinik-lern-und-pruefungstipps-1499/a/lern-und-pruefungstipps-eselsbruecken-fuer-mediziner-9883.htm

 

 

c. Das Major-System (Schwierigkeitsgrad: Schwer)

„In welchem Jahr soll Martin Luther die 95 Thesen an die Wittenberger Schlosskirche genagelt haben?“

Bei den vielen Jahreszahlen in Geschichte kann man leicht durcheinander kommen. Wenn ihr euren Geschichtslehrer bei der nächsten Abfrage mit Detailwissen beeindrucken wollt, wird euch das Major-System behilflich sein. 

So funktioniert es: 

1. Schritt: Auswendiglernen der "Major-Tabelle"

Bild: Luca M Schallenberger (direkt. Magazin) | Ihr könnt es gerne downloaden und weiter verbreiten!
Bild: Luca M Schallenberger (direkt. Magazin) | Ihr könnt es gerne downloaden und weiter verbreiten!

Um diese Technik gut beherrschen zu können, müsst ihr euch diese Tabelle wirklich gut einprägen! Nur so könnt ihr das Major-System leicht und schnell anwenden. Das solltet ihr am besten machen, wenn ihr gerade nicht so viel Arbeit für die Schule habt, also etwa in den Ferien. Wenn ihr euch gerade in der Klausurenphase befindet, ist es sinnvoll, eure Konzentration lieber auf den eigentlichen Schulstoff zu richten.

 

 

2. Schritt: Bildung eines Wortes

Habt ihr die Tabelle verinnerlicht? Nun, dann steht euch für die Anwendung des Major-Systems nichts mehr im Weg. Ihr könnt aus jeder Jahreszahl ein oder mehrere Wörter bilden.

Nehmen wir unser bereits genanntes Beispiel:

Martin Luther hat die Reformation im Jahr 1517 angestoßen.

Nun überlegen wir, welche Zahl wir welchem Buchstaben zuordnen müssen (und sehen Notfalls in der Tabelle nach).

Aus diesen Buchstaben versuchen wir nun ein Wort zu bilden. Vokale (a,e,i,o,u,ä,ö) und übrige Buchstaben wie h und q dürfen wir dabei frei einsetzen, denn diese sind nicht in der Tabelle enthalten.

 

Aus der Zahlenfolge 1517 könnten wir also folgendes Wort bilden:

Athletik

-> t für 1

-> l für 5

-> t für 1

-> k für 7

(a, h, e und i wurden frei ergänzt)

 

Alternativ kann die Jahreszahl auch zerlegt werden:

Idol Tag

-> d für 1

-> l für 5

-> t für 1

-> g für 7

(i, o und a wurden frei ergänzt)

 

Dieser Schritt kann manchmal ganz schön schwierig sein. Im Internet findet ihr allerdings hilfreiche Datenbänke. Dort könnt ihr eure Zahl einfach eingeben und die Datenbank „spuckt“ euch Wortvorschläge aus.

 

 

3. Schritt: Ausdenken einer kleinen Geschichte

Mit dem Wort, das ihr im letzten Schritt gebildet habt, können wir uns nun lebhafte und frei-erfundene Geschichten ausdenken, egal ob sie Sinn ergeben oder nicht.

 

„Martin Luther war sehr gut in Athletik. Er sprintete den Mittelgang der Kirche entlang, sprang über die Sitzreihen und rannte dann wieder heraus, um die Thesen an die Tür zu nageln.“

Malt euch euer Beispiel im Kopf gut aus.

 

Stellt euch vor, wie Martin Luther aus der Puste kommt und schwitzt, als er die Thesen an die Tür nagelt. Wie er sich erstmal hinsetzen und einen Schluck trinken muss.

 

 

4. Schritt: Rückschluss auf die Jahreszahl

Wenn euch eurer Geschichtslehrer nun fragt, welches Jahr den Beginn der Reformation datiert, wird euch diese witzige Geschichte sicherlich sofort wieder einfallen. Vielleicht huscht euch bei der Vorstellung sogar ein Lächeln über die Lippen. Ihr denkt an Martin Luther in nagelneuen Sportschuhen.

Nun müsst ihr euer ausgedachtes Wort wieder in die Jahreszahl zerlegen.

 

Athletik

A: Kann ignoriert werden (ist nicht in der Tabelle enthalten)

T: 1

H: Kann ignoriert werden (ist nicht in der Tabelle enthalten)

L: 5

E: Kann ignoriert werden (ist nicht in der Tabelle enthalten)

T: 1

I: Kann ignoriert werden (ist nicht in der Tabelle enthalten)

K: 7

-> 1517

 

Tadaaaa! Ihr habt eure Jahreszahl wieder gefunden.

Diese Methode eignet sich übrigens auch, um Telefonnummern auswendig zu lernen.

Link zur Datenbank: https://major-system.info/de/

Bild: Luca M Schallenberger (direkt. Magazin) | Ihr könnt es euch gerne downloaden und weiter verbreiten!
Bild: Luca M Schallenberger (direkt. Magazin) | Ihr könnt es euch gerne downloaden und weiter verbreiten!

d. Lerngruppen (Keine Angabe)

Gemeinsam lernen macht Spaß und kann sich als wertvolle Goldgrube für Lernerfolg entpuppen. Nicht selten ist die Frustration jedoch groß, wenn die eigene Lerngruppe mehr Zeit damit verbringt, über Lehrer*innen zu lästern und über Computerspiele zu reden, anstatt sich mit dem Schulstoff zu beschäftigen. Wie das Arbeiten in Lerngruppen besser gelingt, möchte ich euch anhand 6 Tipps verraten.

 

1. Kleine Gruppengröße

Je größer die Gruppe ist, desto anstrengender wird es, konzentriert beim Thema zu bleiben und alle Beteiligten gleichermaßen zu Wort kommen zu lassen. Meine persönliche Erfahrung: Gruppengrößen mit maximal 5 Menschen funktionieren am besten.

 

2. Gleicher Leistungsstand

Schließt euch nur mit Menschen zusammen, die bereit sind, genauso viel Zeit und Mühe in die Lerngruppe zu stecken wie ihr selbst. Es ist nicht fair für euch, wenn ihr nicht von der Lerngruppe profitieren könnt, weil euch eure Mitschüler*innen für Notizen, Mindmaps und Karteikarten ausnutzen, aber selbst nichts beisteuern (das gibt es im Schulleben leider häufig). Es macht außerdem wenig Sinn, wenn ihr mit anderen Schüler*innen lernt, die im entsprechenden Fach sehr viel bessere oder schlechtere Noten haben. Stellt euch vor, ihr wollt gemeinsam für die nächste Matheschulaufgabe lernen und die eine Hälfte der Gruppe möchte bereits Altklausuren bearbeiten, während die andere Hälfte der Gruppe noch wiederholen muss, was Ableitungen überhaupt sind. Natürlich ist es schön, wenn ihr schwächeren Schüler*innen helft oder euch selbst helfen lasst – das sollte in einer solidarischen Klassengemeinschaft auch so sein – aber das könnt ihr in einem anderen Rahmen und nicht in der eigentlichen Lerngruppe gestalten.

 

3. Alte Gewohnheiten umgehen

Wer sich mit guten Freund*innen zum Lernen verabredet, riskiert, schnell in alte Gewohnheiten zu fallen. Ihr kennt das bestimmt: Kaum sind deine Freund*innen bei dir Zuhause, werden die Schulsachen erstmal beiseitegelegt, ihr plaudert, schaut noch ein paar Folgen Netflix zusammen oder beschäftig euch mit anderen weniger sinnvollen Dingen, bevor ihr schließlich doch mit dem Lernen anfangt. Am Ende des Nachmittages stellt ihr mit schlechtem Gewissen fest, dass ihr weniger produktiv wart, als ihr geplant hattet. Mein Tipp: Trefft euch zum Lernen wenn möglich nicht bei euch Zuhause, sondern an einem Ort, an dem weniger Ablenkung auf euch wartet. Bei mir an der Schule war es etwa möglich, sich in der Schulbücherei zu treffen, solange man dabei nicht allzu laut war. Es kann auch sinnvoll sein, sich mit Klassenkamerad*innen zusammenzuschließen, die man eher weniger gut kennt.

 

4. Sich Zuhause vorbereiten

Lerngruppen eignen sich wunderbar zum Wiederholen und Vertiefen. Ihr könnt euch gegenseitig abfragen, Fragen untereinander klären und gerade in Fächern wie Ethik und Religion auch inhaltliche Diskussionen führen. Zuvor solltet ihr euch den Stoff Zuhause bereits angeeignet haben – alleine und in Ruhe. Wenn ihr beispielsweise den quantitativen und qualitativen Utilitarismus miteinander vergleichen und abwägen wollt, sollten alle Gruppenmitglieder die Merkmale und Vertreter beider Ansätze bereits kennen.

 

(5. Regelmäßige Treffen)

In der Schulzeit macht es nicht immer Sinn, sich an einem festen Wochentag zum Lernen zu treffen. Viele Schüler*innen lernen in ihrer Schulzeit eher unregelmäßig und nach Bedarf, außerdem ist der Stundenplan schon ausreichend vollgepackt. In der Universität ist das Lernen viel selbstständiger und ihr habt deutlich weniger Pflichtveranstaltungen. Alle unter euch, die ihr Studium bereits dieses Jahr beginnen, können sich vormerken, dass es hilfreich ist, sich mit seiner Lerngruppe regelmäßig zu treffen. Denn das hat zwei unschlagbare Vorteile: Zu einem bleibt ihr am Ball. Zum anderen sind Lerngruppen ein effektives Mittel gegen Aufschieberitis, denn die eigene Lerngruppe hängen zu lassen und die Ärgernis der Kommiliton*innen zu riskieren, ist gleich viel schlimmer, als lediglich das eigene Gewissen zu belasten, wenn man mal wieder nur faulenzt.

 

(6. Arbeitsteilung)

Wer eine oben beschriebene Lerngruppe gefunden hat, die sich mindestens einmal pro Woche trifft, kann durch den geschickten Austausch von Lernmaterialien ganz schön viel Zeit sparen. Ihr könnt etwa beschließen, dass alle in der Gruppe bis zum nächsten Treffen jeweils ein Kapitel der Prüfungsliteratur schriftlich zusammengefasst haben soll. Sprecht euch dabei gut miteinander ab.

 

 

e. Was habe ich gelernt? (Leicht)

Manchmal verliere ich beim Lernen den Überblick vom Großen und Ganzen. Sobald ich mit dem Büffeln fertig bin – und eigentlich bereit bin, meine Unisachen wegzulegen – nehme ich mir noch schnell zwei Minuten Zeit und versuche in ein paar wenigen Sätzen zusammenzufassen, worum es in dem Kapitel oder auf den Powerpoint-Folien, die ich mir gerade angeschaut habe, im Wesentlichen geht. Auf einer Karteikarte notiere ich mir, was ich dabei Neues gelernt habe oder womit ich Schwierigkeiten hatte. Wenn ich etwa beim Lösen von Statistik-Aufgaben eine Formel benutzt habe, die mir unbekannt vorkam, schreibe ich mir diese auf. Wenn ich das nächste Mal wieder Mathe lerne, werfe ich vorher einen Blick auf diese Karteikarte und rufe mir die Formel noch einmal in Erinnerung.

 

f. Den Stoff einer anderen Person erklären (Leicht)

Vielleicht habt ihr geduldige Eltern oder Freund*innen, denen ihr den Schulstoff noch einmal erklären könnt. Dabei merkt ihr schnell, ob ihr das Thema wirklich gut genug verstanden habt, um das Wissen strukturiert wiederzugeben und mögliche Nachfragen souverän beantworten zu können. Alternativ bietet euch auch euer Haustier ein offenes Ohr, allerdings ohne weiter nachzuhaken.

 

g. Lernmaterial nutzen (Ohne Angabe)

Von Vektoren in Mathematik bis Zellatmung in Biologie: Auf Youtube findet ihr kostenlose Erklärvideos zu nahezu jedem Thema. Einige von euch haben bestimmt schon mal von dem SimpleClub gehört, der sich selbst als die coolste Nachhilfe Deutschlands bezeichnet. Auf ihren zahlreichen Youtubekanälen, die sich jeweils auf ein Schulfach konzentrieren (z.B. TheSimpleBiology, TheSimpleMaths), bringen euch die Gründer Alexander Giesecke und Nicolai Schork den Lernstoff mit ganz viel Humor und Kreativität bei. Auch die Mathesongs des Mathematikers und Musikers Dorfuchs könnt ihr auf dieser Plattform finden. Dank ihm sind mir die Mitternachtsformel und die Ableitung von Sinus bis heute fest im Gedächtnis geblieben. Wenn wir in Deutsch eine Lektüre lesen mussten, habe ich mir mit Sekundärliteratur Anregung für Interpretationen geholt. Meine Reclambücher waren nicht selten mit kunterbunten Markierungen, Notizen und Klebezetteln geschmückt. Für die Fächer Biologie und Mathe habe ich Aufgaben aus Klausurtrainern bearbeitet. Einmal kam sogar exakt die gleiche Aufgabe, die ich in einem dieser Bücher schon bearbeitet habe, wieder in der Klausur dran. Meine Fremdsprachen-Kenntnisse habe ich durch Vokabeltrainer, fremdsprachige Bücher, Zeitungsartikel und TV-Serien verbessert.

Mein Geheimtipp: Seht euch auf Flohmärkten nach Lehrbüchern um. Mein lieber Papa hat dort immer mal wieder hilfreiche Klausurtrainer für ein paar Euro gefunden. Am Ende hatte ich rund 30 Lehrbücher in meinem Regal stehen – und nein, ich übertreibe nicht!

 

2. Veranschaulichung des Lernstoffes

Wer Zeit und Lust hat, nicht nur aus Hefteinträgen und Mitschriften zu lernen, kann auf verschiedene Art und Weise einen Überblick über den Schulstoff erstellen.

 

 

a. Karteikarten

Sie sind klein, praktisch und können überall mitgenommen werden: Karteikarten eignen sich wunderbar dazu, den Stoff schnell zu wiederholen, wenn man ein paar freie Minütchen hat, wie zum Beispiel beim Warten an der Bushaltestelle oder kurz bevor der Unterricht beginnt.

Es ist sinnvoll, die Karteikarten so zu beschriften, dass ihr sie von beiden Seiten benutzen könnt. 

 

Beispiel: 

Vorderseite: Erster Weltkrieg (Wann hat er begonnen?)

Rückseite: 1914 (Welcher Krieg hat in diesem Jahr begonnen?)

 

 

b. Mindmaps

Spätestens in der Klausurenphase fange ich an, den Lernstoff in Mindmaps zu visualisieren. Dadurch erhalte ich einen strukturierten Überblick über alle Unterpunkte, die zu einem bestimmten Thema gehören. Ich schreibe zum Beispiel „Behaviorismus“ in die Mitte des Blattes. Außen herum notiere ich in großen und bunten Buchstaben die Vertreter dieser psychologischen Theorie. Dann ergänze ich mit einem Kugelschreiber die Experimente, Werke und Erkenntnisse der jeweiligen Wissenschaftler*innen. Auch kleine Skizzen können in das Mindmap integriert werden.

Achtung: Wenn ihr euer Mindmap mit Details überfüllt, wird das Blatt schnell unübersichtlich.

 

 

c. Lernplakate

Wie wäre es, ihr hängt euch ein Lernplakat über das Bett? Auch hier ist mal wieder eure Kreativität gefragt, denn das Plakat sollte mit möglichst wenig Text gefüllt werden. Stattdessen könnt ihr euch mit ausgedruckten Bildern, Zeichnungen und Diagrammen austoben. 

 

 


3. Motivation und Zeitmanagement

Wie schön wäre es, wenn man sich an all seine guten Vorsätze problemlos halten könnte? Doch die Motivation, sich nach einem langen Schultag zum Lernen aufzurappeln ist oft einfach nicht besonders groß – selbst wenn man sich den ganzen Tag lang fest vorgenommen hat, endlich mit der Prüfungsvorbereitung zu beginnen. Vielleicht können euch meine persönlichen Tipps zur Selbst-Motivation und zum Zeitmanagement dabei helfen, den inneren Schweinehund zu besiegen.

 

 

a. Schluss mit der Alles-oder-nichts-Einstellung

In der Oberstufe habe ich erkannt, dass man sich mit Perfektionismus auch selbst im Weg stehen kann. Lernen war für mich häufig mit einer „Alles-oder-nichts“-Einstellung verbunden, die mir wertvolle Zeit und Energie geraubt hat. Lernen hat für mich bedeutet, sich mehrere Stunden am Stück mit dem Schulstoff zu beschäftigen („ansonsten lohnt sich der Aufwand erst gar nicht“), sich an einen strikten Lernplan zu halten („ansonsten ist der Tag verschwendet“), jede einzelne Vokabel auf eine Karteikarte zu schreiben („ansonsten ist es nicht perfekt“).

Aus heutiger Sicht weiß ich, dass mich diese Einstellung stresst und mich bei meinem Lernerfolg hindert.

Aus diesem Grund: Seid nicht so streng mit euch. Und kleine Schritte sind immer noch besser als gar keine: Selbst wenn ihr keine Lust habt, euch für eine ganze Stunde an den Schreibtisch zu hocken, um Biologie zu lernen, tut ihr euch selbst schon einen großen Gefallen, wenn ihr euch 10 Minuten lang den letzten Hefteintrag durchlest.

 

 

b. Sofort mit dem Lernen anfangen

 

„Ich fange dann um 17 Uhr mit dem Lernen an.

Verdammt, jetzt ist es ja schon 17.05 Uhr. Ich habe meine Chance verpasst. Ich fange dann um 18 Uhr an.“

 

Vielen von euch kommt das sicher bekannt vor. Das Gehirn ist ein hochkomplexes Organ, das sich gerne mysteriöse Ausreden ausdenkt, um das Lernen noch ein Weilchen aufzuschieben. Nimm dir beim nächsten Mal vor, sofort mit dem Lernen anzufangen, anstatt auf eine „bestimmte Uhrzeit“ zu warten.

 

Was ich dagegen mache: Ich selbst erkläre mir dieses Phänomen so, dass ich das Bedürfnis nach einem Signal habe, das mir klar und deutlich sagt: „Jetzt fängt die Lernzeit an.“ Daher lasse ich immer einen Timer auf dem Handy laufen, sobald ich anfange, zu lernen. Dieser kann nämlich jederzeit gestartet werden und außerdem weiß ich dann auch, wann es wieder Zeit für eine Pause wird.

 

 

c. Motivationsplakat

Meine damalige Psychologielehrerin hat uns empfohlen, ein Motivationsplakat zu basteln, das unsere Ziele und Träume festhält. Wenn ihr beispielsweise Medizin studieren wollt, könnt ihr Bilder von Stethoskopen und Ärzt*innen im weißen Kittel auf euer Plakat kleben. Wenn ihr nach dem bestandenen Abitur nach Bali fliegt, könnt ihr Palmen zeichnen.

 

 

d. Lernplan

Wenn ihr rechtzeitig mit der Prüfungsvorbereitung anfangt, kann euch ein Lernplan dabei helfen, eure Zeit gut einzuteilen. Ihr könnt euch zum Beispiel für jeden Tag aufschreiben, welche Hefteinträge ihr wiederholen, welche Kapitel ihr gelesen und welche Übungsaufgaben ihr bearbeitet haben wollt. Wichtig dabei ist, dass ihr euch realistische Ziele setzt. Wenn ihr euch zu viel vornehmt und den Lernplan daraufhin nicht mehr einhalten könnt, führt das schnell zu Frustration. Daher solltet ihr auch ein paar „Puffer“-Tage einplanen, an denen ihr nichts auf dem Lernplan geschrieben habt. Wenn dann doch irgendwas beim Zeitmanagement schiefläuft – wenn ihr zum Beispiel krank werdet – könnt ihr den nicht geschafften Stoff an diesen Tagen nachholen.

Außerdem ist es sinnvoll, sich immer erst einen groben Überblick zu beschaffen, bevor man ins Detail geht. Daher solltet ihr euren Lernplan so aufbauen, dass ihr erstmal Hefteintrag für Hefteintrag lernt, anstatt ein einzelnes Thema mit sämtlichen Zusatzmaterial intensiv durchzuarbeiten. Erst wenn alle Hefteinträge abgehakt sind, solltet ihr Klausurtrainer und weiteres Lernmaterial zur Verfestigung des Gelernten verwenden. 

 

 

e. Trennung von Arbeits- und Chillbereich

Auch wenn euer Bett noch so gemütlich ist: Mit euren Heften und Büchern solltet ihr lieber an eurem Schreibtisch bleiben. Es ist wichtig, dass sich euer Arbeits- und Chillbereich nicht überschneiden. Das Gehirn kann somit den Schreibtisch mit einer gewissen „Arbeitshaltung“ verbinden und wenn ihr mit dem Lernen fertig seid und von eurem Arbeitsbereich aufsteht, fällt es euch leichter, den Feierabend zu genießen.

 

 

4. Psychische Gesundheit

Vielleicht seid ihr überrascht diesen Satz in einem Artikel über Lerntipps zu lesen, doch es gibt weitaus wichtigere Dinge im Leben als gute Noten. Auch für mich war die Oberstufe mit viel Leistungsdruck, Zukunftsängsten und Stress verbunden. Daher finde ich es umso wichtiger, darauf aufmerksam zu machen, auf seine psychische Gesundheit zu achten.

 

 

a. Setzt euch realistische Ziele

Natürlich gibt es ein paar ambitionierte Schüler*innen, die ihr Abitur mit einer glatten 1,0 bestanden haben, aber das soll nicht heißen, dass alle anderen Schüler*innen weniger Respekt für ihren Fleiß und ihre Mühe in der Oberstufe verdienen. Jeder Mensch, der sich für seine Noten ins Zeug gelegt hat, kann stolz auf sich sein, egal welche Zahl am Ende auf dem Abiturzeugnis steht. Ein sehr gutes Abitur kann euch viele Türen öffnen, aber dennoch solltet ihr reflektieren, wofür ihr es überhaupt braucht.

„Will ich wirklich ein Einser-Abitur, um meinen Traumberuf zu erlernen? Oder will ich eigentlich nur meine Eltern nicht enttäuschen? Oder mache ich das alles nur für mein eigenes Selbstwertgefühl?“

 

 

b. Genug Freizeit

Manchmal erinnere ich mich selbst daran, dass das Leben nicht bedeutet, zu „funktionieren“ und zu leisten, sondern glücklich zu werden. Ihr solltet euch trotz Abiturstress genug Zeit für eure Freund*innen, Familie und eure Hobbys gönnen. Wenn ihr jede Party absagen müsst und nicht mehr zum Sport geht, um stattdessen zu lernen, solltet ihr das als ein Warnzeichen sehen. Es ist wichtig, sich auch mal Auszeiten zu nehmen und immer noch einen Ausgleich zum Lernen zu haben. Gut gelaunt fällt das Büffeln doch nicht ganz so schwer.

 

 

c. Redet über eure Probleme

Wenn ihr das Gefühl habt, dass ihr mit dem Schulstress nicht mehr umgehen könnt, ihr euch hilflos fühlt oder unter Prüfungsangst leidet, solltet ihr euren Frust nicht in euch hineinfressen. Sprecht mit euren Freund*innen, Eltern oder einer anderen vertrauten Person darüber, wie es euch geht. Wendet euch an eure Schulpsycholog*in oder eure Vertrauenslehrer*innen, wenn ihr merkt, dass ihr alleine nicht mehr zurechtkommt. Wenn ihr euch nicht traut, eine Person in eurem Umfeld anzusprechen, könnt ihr euch beispielsweise auch der Nummer gegen Kummer1 anvertrauen. Von Montag bis Samstag könnt ihr von 14 bis 20 Uhr unter der Nummer 116 111 mit ehrenamtlichen Berater*innen über eure Probleme sprechen. Die Nummer gegen Kummer bietet auf ihrer Website auch eine anonyme Onlineberatung an. Wer bereits über 18 Jahre alt ist, kann sich stattdessen rund um die Uhr an die Telefonseelsorge2 unter der Nummer 0800/1110111 (evangelisch), 0800/1110222 (katholisch) oder 116 123 wenden. Die Telefonseelsorge bietet ebenfalls eine Chat- und Emailberatung auf ihrer Website an. Auf der Website von Moodgym3 können junge Erwachsene an einem kostenlosen und anonymen Präventionsprogramm gegen depressive und ängstliche Verstimmungen teilnehmen.

 

1) https://www.nummergegenkummer.de/

2) https://www.telefonseelsorge.de/

3) https://moodgym.de/

 

„Sein Bestes zu geben bedeutet nicht, sich selbst zu quälen und an seine Grenzen zu gehen, sodass man sich vor lauter Erschöpfung und Überarbeitung nicht mehr wohl in seinem Körper fühlt. Sein Bestes zu geben bedeutet, sich seine Fähigkeiten mit etwas Fleiß nützlich zu machen.“

 

In der Oberstufe kam es mir manchmal so vor, als wäre es leichter, die sieben Horkruxe zu zerstören, das Buch mit sieben Siegeln zu öffnen und den Weltfrieden zu schaffen, anstatt mein Abitur mit einer Eins vor dem Komma zu bestehen. Die oben genannten Methoden haben mir dabei geholfen, mein Ziel dennoch zu erreichen. Hoffentlich konnte ich euch ein paar hilfreiche Ratschläge geben, wie auch ihr die Oberstufe heil übersteht. Und falls ich den jüngeren Schüler*innen unter euch einen Schrecken eingejagt habe: Wenn ich mir in der Freistunde noch schnell einen Kaffee in der Bäckerei geholt habe, mit Freund*innen im Oberstufen-Zimmer gelacht habe, bis uns der Bauch wehtat, und auf der Studienfahrt nach Budapest „Wahrheit oder Pflicht“ (selbstverständlich ohne Alkohol!) im Hotelzimmer gespielt habe, war mir ziemlich klar: Die Oberstufe bleibt eine unvergessliche Zeit.

 

- Nellie Zienert, Redakteurin