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"kleegrün und plastikfrei" - Unverpackt in Fürth einkaufen


Hier sind wir wieder und haben einen neuen Artikel für euch aus der Reihe "Besondere Fürther Läden". Heute geht es um: Müll.

In letzter Zeit hat Aaron sich mit der Frage auseinandergesetzt, welchen und vor allem wie viel Müll wir alle und er persönlich produzieren. Das hatte drei Gründe:

  1. Sein Nachbar beschwerte sich mal wieder ausgerechnet bei ihm, dass die anderen Nachbarn ihren Müll nicht korrekt trennen und DIE KARTONS NICHT AUSEINANDER REIẞEN!!!!111einself
  2. Beim Klima Camp in Nürnberg gab es einen Vortrag dazu und seitdem steht dort auch Trashy, die überlebensgroße Müllpuppe.
  3. In den Medien und auf der Straße waren die steigenden Verpackungsmüllberge zu sehen, da wegen C* viel mehr Convenience- und Take-Away-Produkte verkauft, verbraucht und entsorgt wurden. Letzteres wirklich ENT-SORGT, also einfach irgendwo hingeworfen.

Ein Blick auf diese Tabelle offenbart: Der durchschnittliche Bewohnende der Bundesrepublik verursachte 2018 ca. 455kg Müll pro Jahr, davon allein 33kg plastikbasierte Verpackung. Bei über 80 Millionen Menschen hierzulande kommt da viel zu viel Müll zusammen, der leider nur unzureichend recycelt oder verwertet wird, und die Bilder von den verschmutzten Meeren in Südost-Asien kennen wir alle. Schließlich exportiert Europa dorthin gern seinen Müll.

Doch was tun? Im Supermarkt ist doch fast alles eingeschweißt und dreifach verpackt? Aaron und Julia dachten sich das auch und besuchten deswegen den "kleegrün | Unverpackt in Fürth" Laden direkt am Grünen Markt. Wie der Name es schon impliziert: Hier wird nichts in Verpackung verkauft! Wie das aussieht, funktioniert und was es da so alles gibt, lest ihr jetzt...

Kleegrün Unverpackt Laden Fürth
Die Inhaber Claus und Claudia

Claudia und Claus kommen eigentlich aus der Werbebranche. Die Idee zum Unverpackt-Laden kam erst im Laufe der Zeit. Claudia verkaufte zunächst selbstgemachte Energy Balls (leckere Rohkostkugeln zum Naschen) auf dem Fürther Markt und gab Ernährungsberatung. Bald darauf erreichte die beiden die Info, dass in Fürth ein Unverpackt-Laden eröffnen sollte, in der Ladenfläche eines ehemaligen Musikfachgeschäfts, so zumindest der Wunsch der Vermieterin dieser leerstehenden Ladenfläche. Und plötzlich war es Dezember 2019 und die beiden eröffneten an genau dieser Stelle das "kleegrün". Seitdem arbeiten sie mit vielen einzelnen Manufakturen und Produzenten zusammen, um auch beim Transport möglichst wenig Verpackung nutzen zu müssen. Das geschieht vor allem über Papiersäcke und Pfandflaschen/-kessel, welche ausgespült wiederverwendet werden. Und Dienstags gibt es vegane, warme Mittagsgerichte. Bleibt was über, geht das an die Fürther Wärmestube. Kurz nach der Eröffnung jedoch ab März diesen Jahres: C*. Glücklicherweise durften sie als Lebensmittelverkäufer geöffnet bleiben und kamen einigermaßen gut zurecht. Für die Zukunft wünschen sich die beiden noch viele weitere Zero-Waste-Produkte in ihr Angebot aufnehmen zu können.

"Ja, aber wie geht denn das jetzt mit dem Einkauf dort und was gibt's so?" - dazu kommen wir jetzt! Am wichtigsten ist, dass ihr euch von zu Hause Gläser, Kisten, Wachstücher, Tupperware, kleine Stoffbeutel oder was euch immer an wiederverwendbaren Behältnissen einfällt, mitbringt. Denn sonst könnt ihr im Unverpackt-Laden schwer einkaufen ;) Das kann auch die leere Plastikflasche vom Spülmittel sein, die kann mensch schließlich auch sehr oft wiederbefüllen. Solltet ihr einmal total unvorbereitet in den Laden gehen oder mehr brauchen, als ihr an Behältnissen mitgebracht habt, vor Ort gibt es auch welche zu erwerben.

Die Waage steht praktischerweise gleich am Eingang
Die Waage steht praktischerweise gleich am Eingang

Nach dem Betreten des Ladens führt der erste Weg an die Waage. Hier wiegt ihr eure Behältnisse und beschriftet sie mit dem Leergewicht mit einem bereitliegenden Kreidemarker. Da die mitgebrachte Verpackung etwas wiegt, würdet ihr mehr Geld bezahlen, als ihr an Waren kauft. Deswegen wird das eingangs aufgeschriebene Gewicht an der Kasse später abgezogen. Und dann geht's auch schon los mit dem eigentlichen Einkauf.

Gleich links der Waage steht ein Obst- und Gemüseregal. Hier ist alles möglichst regional, saisonal und BIO. Hinten dran sind Kisten mit Sonderangeboten, Eiern und Kartoffeln. Weiter geht's mit der Frühstücksabteilung. Hier finden sich Müsli-Variationen, Samen und auch Kaffee gefolgt von Nüssen und Getreide.

Einen Schritt weiter befinden sich Trockenware und Backzutaten wie Trockenfeigen, Kokosraspel, veganes Puddingpulver und Backtriebmittel. Vielleicht hat Aaron in letzter Zeit etwas viel von den Trockenfeigen gekauft ;) Dort stehen auch große Metallkessel, wo mensch sich Essig, Tahin oder Nussmuß zapfen kann.

Weiter nach rechts kommt das Tee- und Gewürzregal, mit den Snacks und Hülsenfrüchten/Getreide auf der anderen Seite. Auch die Gewürze sind in BIO-Qualität, und dabei durchaus auch mal preiswerter als im Supermarkt. Als nächstes kommt das komplett vegane Süßigkeiten- und Schokoladenregal mit wechselndem Angebot.

Nach dem Regal mit den wiederverwendbaren Verpackungsmaterial (Wachstücher!) kommt die Abteilung für Körperpflege und Monatshygiene. Letztere ist vor allem für unsere menstruierenden Lesenden wichtig und leider immer noch viel zu unbekannt, welches Einsparpotenzial es da kosten- und müllbezogen gibt. Den Abschluss dieses Bereiches bildet die Abfüllstation für Wasch- und Putzmittel.

Vorbei an den Regalen mit Getränken und nachhaltigen Geschenken, wir empfehlen die BraceNets, die aus Geisternetzen/"verlorenen Fischernetzen" der Nord- und Ostsee gemacht werden, kommen wir zum Kassenbereich mit Frischetheke und Brotangebot. Hier gibt es sogar veganen Käse, der ist aber sehr begehrt, deswegen müsst ihr schnell sein, wenn die neue Lieferung kommt. Falls es nicht klappt, gibt es auch sehr leckere Nuss-Ecken.

Um die Ecke zwischen Kasse und Schaufenster ist der Café-Bereich zum Speisen, Trinken und Verweilen. Hier könnt ihr dienstags den veganen Mittagstisch genießen, oder auch sonst Heißgetränke und Gebäck konsumieren. Die meisten Produkte im Laden sind vegan und viele sind auch glutenfrei. Darunter sind auch einige ulkige Produkte wie Schokospaghetti, Rauchmandeln und ein Rohrreinigungsspiralstab aus Holz. Der funktioniert wirklich, hat Claudia selbst getestet.


Bald soll es auch in einem Bereich im Keller, wo sich auch das Lager befindet, ein Veranstaltungs- und Workshop-Bereich entstehen. Hier könnte z.B. demnächst ein Vortrag über Zero-Waste oder ein Workshop "Tofu selber machen" stattfinden.


An dieser Stelle möchte Julia euch kurz ihre Impressionen vom Besuch im "kleegrün" beschreiben:


"Im "kleegrün" Fürth angekommen, fühlt man sich durch die offene, warme Ladengestaltung sofort wohl. Auch als Unverpackt-Laden-Einsteiger findet man sich hier schnell zurecht, da am Eingang bereits die Waage für die mitgebrachten Gefäße zum Abwiegen samt Erklärung bereit stehen. Ich war sehr überrascht, wie viele verschiedene Dinge man in diesem auf den ersten Blick eher kleinen Laden bekommt, von Obst und Gemüse bis Körperhygiene und Waschmittel ist wirklich alles dabei, was man in einem konventionellen Supermarkt auch erwartet. Da die Lebensmittel alle in Bioqualität sind, kann man die Preise mit einem klassischen Bio-Supermarkt vergleichen, trotzdem war ich sehr erstaunt darüber, dass man im "kleegrün" viele Dinge um einiges günstiger bekommt, als im Bioladen. Das Ladenkonzept lädt außerdem zum Stöbern ein, durch die gute Sortierung und die Glaszylinder, aus denen man abfüllt, findet man so auch die ein oder andere Sache, die man vorher vielleicht noch nicht kannte.

Mein persönliches Highlight war aber die offene Theke, an der es selbstgebackenes Brot, Bio-Käse, Energy Balls und manchmal sogar Vamembert (veganen Camembert aus Cashewnüssen) gibt. Außerdem kann man hier auch direkt im Laden Kaffee trinken und auf einer der Schaukeln Platz nehmen."


Die Kundschaft ist bunt gemischt, von jungen Familien hin zu Rollator-Omis, die im barrierefreien Laden gut zurechtkommen. Die beliebtesten Produkte durch die Bank sind tatsächlich Haferflocken und Fruchtgummis. Claus und Claudia würden gerne mehr Körperpflegeprodukte und Monatshygiene verkaufen, da sich hier sehr viel Einsparpotenzial bietet, dafür muss aber wohl noch mehr über die Alternativen in diesem Bereich aufgeklärt werden, damit die Menschen den Produkten auch vertrauen.

Bleibt noch das Thema Preisgestaltung. Dies ist auf Bioladen-Niveau, das liegt einerseits natürlich an der Bio-Qualität der Produkte, aber auch an der vielen Handarbeit einerseits in den Produkten und andererseits in der Logistik und Lageristik. Das Preisniveau könnte aber bald sinken, da immer mehr Unverpackt-Läden öffnen, das heißt mehr Nachfrage nach Verpackungslosigkeit, das heißt mehr Hersteller und Produktauswahl in diesem Bereich, das heißt mehr Wettbewerb, das heißt bessere Verbraucherpreise. Genau so lief es schließlich auch mit allem anderen, was es heute im Supermarkt gibt. Bis dahin wird es aber leider weiterhin genug Menschen geben, die sich solche einen Lebensstil nicht leisten können. Claudia merkt hier aber treffenderweise an, dass mensch nicht von heute auf morgen perfekt verpackungsfrei leben muss. Es ist auch möglich, einen persönlichen Mittelweg zu finden, und mensch muss auch nicht alles im Laden kaufen.

 

Wir verabschieden uns und gehen inspiriert und mit Nussecke in der Hand wieder nach Hause. Wir kommen sicherlich öfters wieder vorbei. Zu Hause angekommen benutzt Aaron gleich mal seine gerade erworbenen, kompostierbaren Aufsteckköpfe für die elektrische Zahnbürste. Und siehe: Sie sind genauso komfortabel und leistungsfähig wie jene aus Plastik. Und teuer waren sie auch nicht wirklich. Wieso immer nur reden, und nicht einfach mal machen? Im "kleegrün | Unverpackt in Fürth" habt ihr dazu reichlich Möglichkeiten.

 

- Eure Plastikvermeider Julia und Aaron

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