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#OscarsSoWhite: Die Academy Awards in der Kritik


Die Academy Awards sind zwar die wichtigsten Preise der Filmindustrie, aber sie sind bei Weitem nicht frei von scharfer Kritik. Vor allem aufgrund von fehlender Diversität unter den Nominierten und den Gewinnern machen die Oscars Jahr für Jahr negative Schlagzeilen. Wenn man sich die Nominierten in den wichtigen "Top Five"-Kategorien der letzten Jahre und Jahrzehnte einmal genauer ansieht, verwundert das nicht.

Erst 1964 konnte Sidney Poitier als erster schwarzer Schauspieler den Oscar für "Best Actor" mit nach Hause nehmen. Zur Erinnerung: Die Academy Awards wurden zum ersten Mal im Jahr 1929 vergeben. Nach Poitier folgten noch gerade einmal drei weitere schwarze Gewinner in dieser Kategorie: Denzel Washington im Jahr 2002, Jamy Foxx im Jahr 2005 und Forest Whitaker im Jahr 2007. In der Kategorie der Frauen sieht es nicht besser aus: Halle Berry gewann im Jahr 2002 als erste und bisher einzige schwarze Frau den Oscar für "Beste Hauptdarstellerin". Steve McQueen war 2014 mit seinem Film "12 Years a Slave" der erste und ebenfalls bisher einzige schwarze Regisseur und Produzent, der einen Oscar in der Königskategorie "Best Picture" verliehen bekam. Ein Award für "Best Director" für einen schwarzen Regisseur oder eine schwarze Regisseurin lässt auch heute, über 90 Jahre nach der ersten Oscar-Verleihung, immer noch auf sich warten. Dass ein nicht-englischsprachiger Film als "Best Picture" ausgezeichnet wurde, passierte erst im Jahr 2020 mit dem Sieg von "Parasite" von Bong Joon-ho und Kwak Sin-ae. Bong Joon-ho und Han Jun-won sind außerdem für "Parasite" die ersten asiatischen Drehbuchautoren überhaupt, die einen Oscar für "Best Screenplay" bekamen. Auch Frauen schneiden bei einigen Kategorien der Academy Awards deutlich schlechter ab als ihre männlichen Kollegen. So konnte zum Beispiel erst eine Frau, Kathryn Bigelow, den Oscar für "Best Director" gewinnen. Eine Woman of Color dagegen wurde in dieser Kategorie von der Academy bis dieses Jahr noch nicht einmal nominiert. Chloé Zhao ist bei den Oscars 2021 damit nicht nur die erste asiatische Regisseurin, die eine Chance auf den Preis als beste Regisseurin bekommt, sondern die erste nicht-weiße Regisseurin überhaupt.

Wie extrem die Benachteiligung nicht-weißer Filmschaffender bei den Oscars ist, zeigt sich auch in einer Analyse der INSIDER vom Februar 2021: In den letzten 10 Jahren waren 89 % der Nominierten in den Kategorien "Best Picture", "Best Director", Best Actor", "Best Actress", "Best Supporting Actor" und "Best Supporting Actress" weiß, nur 6,3 % der Nominierungen gingen an schwarze Filmschaffende, 2,6 % an Lateinamerikaner und 1,4 % an Asiaten. Insgesamt ergibt sich damit die traurige Bilanz, dass in den letzten 10 Jahren insgesamt nur 74 People of Color bei den Oscars nominiert wurden. Paul Sheehan, Experte im Bereich Award Shows, überraschten die Ergebnisse der Analyse in einem Interview mit INSIDER nicht: "The Kind of movies that get awards pushes are made by white filmmakers starring white actors." Seit 2015 kommt daher vor allem in den sozialen Medien immer wieder der Hashtag #OscarsSoWhite auf, um auf die fehlende Diversität bei den Academy Awards aufmerksam zu machen. Gegründet wurde die Bewegung von April Reign, nachdem bei den Oscars 2015 alle 20 Nominierten in den vier Schauspiel-Kategorien weiße Schauspieler und Schauspielerinnen waren. Auch im Jahr darauf bei den Oscars 2016, der 88. Oscar Verleihung, gingen alle Nominierungen in den Darstellerkategorien an weiße Personen. Vor allem Regisseur Spike Lee, der für einen Ehrenoscar nominiert worden war, kritisierte die Academy dafür scharf und kündigte damals an, der Verleihung aus Protest fern zu bleiben. Die Academy gelobte Verbesserungen und der Vorstand unter der Präsidentin Cheryl Boone Isaac versprach, neue Regeln einzuführen, um die Zahl von Frauen und People of Color in der Acadamy zu erhöhen. Im Jahr 2017 wurden daher bereits 774 neue Mitglieder in die Academy aufgenommen, davon 39 % Frauen. Der Frauenanteil betrug damit 28 % und der Anteil nicht-weißer Personen stieg auf 13 % an. Im letzten Jahr bekam die Academy 819 neue Mitglieder. 45 % der Einladungen gingen an Frauen und über 33 % an People of Color.
Ein Wandel des Systems geschieht jedoch nicht über Nacht: Zwar gewann 2020 zum ersten Mal ein nicht-englischsprachiger Film den Preis für "Best Picture", aber dennoch wurde nur eine einzige nicht-weiße Person, Schauspielerin Cynthia Erivo, in einer der vier Darstellerkategorie nominiert. Aber bereits in diesem Jahr ist ein Trend in Richtung einer höheren Diversität zu erkennen.

Wer alles in diesem Jahr nominiert ist und wie die Academy Awards in Zeiten von Corona aussehen, erfährst du in unserem nächsten Teil!

- Lara Heiße, Chefredakteurin

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