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Einblicke in das Pappmaschee-Universum Fürth


Willkommen liebe Lesende, zu einem neuen Artikel über ein Fürther Geschäft, das so ganz anders ist als die vielen Niederlassungen bekannter Ketten und Franchises. Wir wollen in diesem Beitrag gemeinsam einen Blick auf das „Pappmaschee-Universum“ werfen, welches sich in der Theaterstraße Ecke Blumenstraße in der Fürther Innenstadt befindet. Pappmaschee? Da müsste es eigentlich bei euch allen klingeln. Wer hat denn bitte nicht im Kindergarten oder in der Grundschule mal mit Papier und Kleister „Kunstwerke erschaffen“? Ich habe, zum Beispiel, damals einen aufgeblasenen Ballon tape-ziert, um diesen dann als Laterne für den Martinsumzug zu verwenden. Wahre Kunstwerke aus Pappmaschee erwarten uns jedoch im Laden von Christiane Altzweig und deswegen auch im folgenden Artikel! Wir begeben uns also gedanklich an die bereits oben genannte Straßenecke und erblicken im typischen Fürther Charme folgendes Schaufenster.

Dort erwartet uns (Julia und mich) bereits Christiane (49), die Inhaberin des „Pappmaschee-Universums“. Sie bittet uns herein und wir folgen gerne; wir fühlen uns wie Alice, die in den Kaninchenbau fällt. Aber lest selbst, wie Julia es wahrgenommen hat:


"Der von außen auf den ersten Blick unscheinbare Laden hat mich beim genaueren Betrachten schnell in den Bann gezogen: Man entdeckt unglaublich viele Figuren aus Pappmaschee, die wild angeordnet und mit großer Liebe zum Detail hergestellt wurden. Zwischen Pinguinen und Elefanten entdeckt man Madonnenfiguren, Märchenfiguren wie zum Beispiel den Froschkönig oder einen schaufensterhohen Baum, der den Betrachter mit freundlichem Gesicht zulächelt. Die teilweise sehr ausgefallenen und witzigen Skulpturen ziehen auch immer wieder andere Betrachter staunend ans Schaufenster. Als ich Christianes Atelier betreten habe, habe ich mich gefühlt als wäre ich in einem Märchen gelandet. Es gibt unglaublich viel zu entdecken und betrachten, angefangen bei mannshohen Skulpturen von Elvis Presley, Michael Jackson, Marilyn Monroe und sogar Albrecht Dürer bis hin zu Drachen, Haien und Einhörnern. Im ganzen Laden befindet sich eine bunte Mischung aus kleinen, großen, realistischen und märchenhaften Figuren, die mich beim Betrachten quasi von selbst durch das Atelier geführt haben. Ich habe gut eineinhalb Stunden in Christianes Laden verbracht und das Geschäft erkundet, trotzdem habe ich mich jedes Mal, als ich mich umgedreht habe, ein neues Detail entdeckt, sei es die Spinne, die am Kronleuchter hängt und den Hut zückt oder die kleine Schildkröte, die tatsächlich ein Uhrwerk eingebaut hat. Das Pappmaschee-Universum hat definitiv den richtigen Namen bekommen, es fühlt sich tatsächlich ein bisschen an, als hätte man für eine kurze Zeit eine parallele Fantasiewelt betreten."

Zurück zu Christiane und ihr Atelier. Wie kam frau eigentlich darauf, Pappmaschee als Rohstoff für die Kunst zu verwenden? Angefangen hat bei Christiane alles erst einmal mit Gips und Malen, und das schon von klein auf. Sie lernte Schauwerbegestalterin (neudeutsch visual marketing), ist inzwischen aber anerkannte Künstlerin. Seit zehn Jahren gibt es das „Pappmaschee-Universum“ schon in Fürth, dabei verwendet Christiane schon seit über zwanzig Jahren Pappmaschee als Material. Momentan liegt der Fokus auf lebensgroßen Figuren bekannter Persönlichkeiten, welche v.a. für Museen und Privat angefertigt werden. Dass es den Laden überhaupt gibt, ist einer Reihe von glücklichen Zufällen geschuldet. Christiane hat einmal für ein Bild einen Rahmen aus Pappmaschee gestaltet. Dieser gefiel ihr so sehr, dass sie sich intensiver mit Pappmaschee auseinandersetzte und erste Versuche unternahm, größere Strukturen daraus zu formen. Irgendwann landeten diese Versuche in einem kleinen Atelier. Der aktuell von ihr genutzte Laden stand ewig leer, schließlich übernimmt sie ihn und richtet das „Pappmaschee-Universum“ ein; dabei legt Christiane wert darauf, die Historizität des Ladens im Interieur widerzuspiegeln.

Wie genau entstehen eigentlich diese Pappmaschee-Kunstwerke? Es beginnt meistens mit einer Skizze. Manchmal geht Christiane auch gleich zum zweiten Schritt über: ein grobes Gerüst aus Holzlatten bauen. Dann heißt es: ganz viel Papier knüllen und aufkleben. Erst jetzt kommt der Arbeitsschritt, den die meisten von uns kennen und erwarten. Lage für Lage, Schicht für Schicht, werden die Papierschnipsel mit Kleister getränkt auf das Gerüst aufgetragen. Nach dem Trocknen kann schließlich angemalt und unter Umständen auch geschliffen werden. Christiane modelliert an ihren Figuren alles aus Pappmaschee; sie verwendet keine Fremd- und Füllmaterialien, wie z.B. Stoffe oder Styropor. Oft stellt sie gleich mehrere ähnliche Figuren her, das ist zeitlich sowie arbeitstechnisch effizienter.

Doch was genau erwartet die Besuchenden im Laden eigentlich? Es gibt eine Vielzahl an Figuren, Dekogegenständen und Möbelstücken. Ja, richtig gelesen: Es gibt beispielsweise einen „Felsenhocker“ und einen märchenhaften „Delfinthron“. Auch stehen viele lebensgroße Figuren bekannter (und manchmal auch eher unbekannter) Persönlichkeiten zur Bewunderung bereit. Marilyn Monroe, Elvis Presley, Michael Jackson, Superman oder – mein absoluter Favorit – Albrecht Dürer treffen sich im „Pappmaschee-Universum“ zu einem geschichtlich nicht korrekten, aber künstlerisch atemberaubenden Rendezvous. Falls ihr also einen unvergesslichen Kindergeburtstag feiern wollt: Ihr könnt den Laden buchen, und dürft dann auch mal auf dem großen Dinosaurier sitzen! Falls ihr selbst einmal (wieder) mit Pappmaschee arbeiten wollt, Christiane bietet auf Anfrage auch Gruppenkurse an: eine kleine Figur bis 40cm, in dreimal zweieinhalb Stunden für insgesamt 95€. Für Kinder und Jugendliche gibt es einen Rabatt.

So ein außergewöhnlicher Laden zieht auch teils kuriose Aufträge und emotionale Kunden an. Einmal kam ein Mann herein, der von der Arbeit Christianes so gerührt war, dass er zu weinen begann. Ein anderes Mal fragte Sony Entertainment nach einem Hai-Modell für den Film „Sky Sharks“. OB Jung hat dem echten Henry Kissinger, ehemaliger US-Außenminister und gebürtiger Fürther, bei einem Besuch eine Kissinger-Pappmaschee-Figur überreicht. Früher hat Christiane manchmal ihre Figuren mit dem Fahrrad transportiert; das hat stets für erheiterte Blicke gesorgt. Vor einer Weile fragte das Rathaus an, ob sie nicht Fürther Persönlichkeiten nachbilden könne. Zehn davon kann mensch nun im Rathaus bewundern. Aktuell arbeitet Christiane an einem Kamin mit Hintergrundbeleuchtung und zwei Figuren der beiden Frauen Lydia und Lydia (ja, wirklich…) Bayer, die eine war Gründerin des Nürnberger Spielzeugmuseums, die andere führte die Arbeit der Mutter fort. Aus dem Ensemble soll eine Art Kabinett in der Dauerausstellung des Museums entstehen.

Das Größte, das Christiane bisher aus Pappmaschee gefertigt hat, ist ein Drache mit fünf Metern Flügelspannweite für eine private Flipper-Lounge (Flipper, das Spiel aus den 90ern, mit der Kugel und dem wilden Tastenhauen, auf dass sie im 1000-Punkte-Loch verschwinde? Nein, niemand? Ich bin wohl alt geworden…). Für einen Umzug einer Kirche gestaltete sie auch einmal ein großes Abbild des heiligen Christophorus, und eine Pappmaschee-Nachbildung des berühmten Duos „Waldtraut und Mariechen“ für das Fastnachtmuseum kommt auch von Christiane. Das ist nur eine Auswahl an Projekten, die die Künstlerin bereits verwirklichen konnte.

Für die Zukunft wünscht sich Christiane, die Museen der Welt mit ihren Figuren zu bereichern, und vielleicht auch ein ganz eigenes Figurenkabinett, in der Art von Madame Tussauds und ihren Wachsfiguren. Und natürlich freut sie sich auf euren Besuch! Damit beenden wir auch unseren Ausflug ins „Pappmaschee-Universum“ Fürth und hoffen, ihr konntet unserem Besuch im Kaninchenbau nachleben. Ansonsten oder gerade auch deswegen, kommt doch selbst mal vorbei! Marilyn gibt euch sicher ein Küsschen 😉

Eure Pappmaschee-Bewunderer, Julia und Aaron

P.S.: Christiane Altzweig hat sogar eine eigene Wikipedia-Seite.

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