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Kontaktabbruch mit den Eltern?!


Warum manche Menschen sich bewusst dazu entscheidendie eigenen Eltern nicht mehr im Leben haben zu wollen.

Triggerwarnung: In diesem Artikel werden Themen wie Gewalt, emotionaler und sexueller Missbrauch behandelt.

 

Manchmal passiert es, dass Eltern und Kinder kein gesundes Verhältnis zueinander haben, dass die eigene Familie kein Zufluchtsort ist, sondern der Grund für Angst, Unterdrückung und Schmerz und manchmal ziehen die Kinder daraus den radikalen Schritt, den Kontakt abzubrechen.

Was bewegt Kinder - egal ob noch jugendlich oder schon im Erwachsenenalter – dazu, dass sie sich bewusst dafür entscheiden, ihre Familie nicht mehr sehen zu wollen, wieso dauert es oft Jahre, bis sich Kinder endlich von ihren Eltern lösen können und wie gehen diese mit dem Kontaktabbruch um?

Sich von den eigenen Eltern abzuwenden, ist keine Entscheidung, die mal eben so nebenbei getroffen wird. Eine solche Entscheidung ist oftmals ein jahrelanger, schmerzhafter Prozess aus der Hoffnung, dass sich das Verhalten der eigenen Eltern doch noch ändert und wieder enttäuscht werden. Die Gründe für einen Kontaktabbruch können vielfältig sein, fast immer waren Betroffene in ihren Familien Misshandlung ausgesetzt, manchmal physischer oder sexueller Natur, nahezu immer aber psychischer Gewalt.

Als Konsequenz ziehen sie daraus, der eigenen Familie den Rücken zu kehren. Wie viele Kinder in Deutschland keinen Kontakt mehr zur Familie haben, ist übrigens nicht bekannt. Soziologen schätzen aber, dass rund 100.000 Familien betroffen sind, die Dunkelziffer ist womöglich noch viel höher, da ein solcher Kontaktabbruch nach wie vor ein Tabuthema ist.

Für Eltern kommt ein solcher Schritt meist überraschend. Oftmals ist ihnen gar nicht bewusst, was sie falsch gemacht haben oder wie sehr ihre Kinder gelitten haben. Eltern leiden sehr unter dem Kontaktabbruch und reagieren meist trotzig oder schockiert. Der Grund für ihr Verhalten liegt dabei oft selbst in der eigenen Kindheit: Nicht selten waren die Täter selbst einmal Opfer. Der soziale Druck und die Erwartungshaltung nach außen und oft eigene, unentdeckte psychische Erkrankungen führen dazu, dass Eltern ein solches Verhalten entwickeln.

Fragt man die Kinder, sieht es ganz anders aus. Sie berichten von Streit, Schikane seitens der Eltern und von Sätzen, die ihnen Jahre, nachdem sie ausgesprochen wurden, noch im Kopf herumschwirren und tiefe seelische Narben hinterlassen haben. Die Folgen einer solchen toxischen Eltern-Kind-Beziehung und des Missbrauchs sind für das Kind schwerwiegende psychische Erkrankungen wie Depression, Angststörungen, posttraumatische Belastungsstörungen oder Persönlichkeitsstörungen. Betroffene haben es oft nicht geschafft ein gesundes Selbstwertgefühl zu entwickeln und machen sich häufig von anderen Personen abhängig. Ohne therapeutische Hilfe lässt sich das so Erlebte kaum aufarbeiten.

Allerdings muss ein solcher Schritt auch keiner für immer sein. Manchmal kann eine Wiederannäherung zwischen Eltern und Kind gelingen. Hierfür muss eine Neugestaltung der Beziehung zueinander wirklich gewollt sein. Eltern müssen akzeptieren, dass ein solcher Schritt niemals leichtfertig getroffen wurde und verstehen, dass sie Fehler begangen haben. Sich einzugestehen, was das eigene Verhalten dem Kind gegenüber angerichtet hat, ist oftmals sehr schwer und schmerzhaft, aber unverzichtbar, um sich in die Sichtweise des Kindes hineinversetzen zu können. Eine solche Aufarbeitung der Situation und die Behandlung der eigenen psychischen Probleme, die womöglich erst zu einer solch kaputten, toxischen Beziehung geführt haben, ist dringend nötig, am besten mit psychologischer Hilfe im Rahmen einer Psychotherapie.

Solltest du dich selbst in dem Artikel wiedererkennen und noch daheim wohnen, wende dich am besten an eine Vertrauensperson, wie einen Verwandten oder deinen Vertrauenslehrer.

 

Telefonseelsorge der Caritas:

(kostenlos, rund um die Uhr erreichbar)

  • Kummertelefon für Kinder und Jugendliche: 0800 1110 333
  • Telefonseelsorge: 0800 1110 111 oder 222

https://jugend.bke-beratung.de/views/home/index.html

 

- Julia Klopsch, Redakteurin

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Kommentare: 2
  • #1

    Sandra (Sonntag, 16 August 2020 19:21)

    Der Artikel wirkt für mich sehr kurz, obwohl das Thema total interessant ist!

  • #2

    Sara (Sonntag, 16 August 2020 19:58)

    Hätte gerne mehr Hintergrundinfos gehabt :) Das Thema ist echt spannend!