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Datenfalle TikTok: Wird die Trend-App bald gebannt?


In den Vereinigten Staaten von Amerika müssen einige TikTok-Sternchen wohl um ihre Follower bangen: Wie US-Außenminister Mike Pompeo Anfang Juli beim Sender Fox News verkündete, wägt die Regierung ein Verbot der App TikTok, die zum chinesischen Unternehmen ByteDance gehört, ab. Man befürchtet, TikTok könnte die Daten seiner Userinnen an die chinesische Regierung weitergeben. Die Videoplattform mit rund zwei Milliarden Downloads könnte bald vor ihrem Aus stehen. Bereits in der Vergangenheit hat TikTok durch kontroverse Moderationsregeln für negative Schlagzeilen in den Medien gesorgt. Das Unternehmen hat Mitarbeiter*innen angewiesen, Nutzerinnen zu zensieren, die angeblich gefährdet seien, Zielscheiben von Mobbing zu werden. Damit soll die Reichweite von Videos, die etwa queere, dicke und Menschen mit Behinderungen zeigen, eingeschränkt werden. Auch politische Inhalte sind auf der Plattform nicht gerne gesehen. In früheren Richtlinien wurden beispielsweise Videos über Demonstrationen als „kontroverse Ereignisse“ kategorisiert und eingeschränkt. Obwohl TikTok auf medialen Druck seine Moderationsregeln gelockert hat, kontrollieren weiterhin Mitarbeiterinnen nach dem Prinzip „Fördern, Ausbremsen, Löschen“, welche Inhalte den User*innen im Feed angezeigt werden.

Kommentar: Warum ihr alle TikTok unterschätzt
Kommentar: Warum ihr alle TikTok unterschätzt

Durch seinen zweifelhaften Umgang mit Nutzerdaten hat TikTok weltweit für politischen Aufschrei gesorgt. Wie die meisten großen sozialen Netzwerke sammelt die Videoplattform technische Daten seiner Userinnen (wie das Betriebssystem des Handys) und wertet das Nutzerverhalten auf der App aus. Doch anders als bei Netzwerken wie Instagram und Snapchat fließen die Daten an ein chinesisches Unternehmen – und könnten damit an die autokratisch regierende Kommunistische Partei weitergegeben werden. In der Vergangenheit musste sich TikTok auch dem Vorwurf stellen, heimlich Daten seiner Nutzerinnen auszulesen. Recherchen von App-Entwickler Tommy Mysk ergaben, dass die App nahezu im Sekundentakt Inhalte aus der Zwischenablage von iPhones kopiert hat. Nicht nur die USA zeigen sich besorgt darüber, was mit den Daten, die TikTok von ihren Bürgerinnen sammelt, passiert. Während die indische Regierung TikTok aufgrund wachsender politischer Spannungen mit China bereits verboten hat, nehmen nun auch andere Länder wie Australien die Trend-App ins Visier. Zugleich fordert der deutsche FDP-Politiker Moritz Körner hierzulande ein härteres Vorgehen gegen TikTok. Schon vor einigen Monaten reichte der Abgeordnete des Europaparlaments eine Beschwerde beim Europäischen Datenschutzausschuss ein. „Wir dürfen nicht länger tatenlos zusehen, wie China westliche soziale Medien und Apps zensiert und gleichzeitig chinesische Daten-Drachen europäische Datenschutzstandards proaktiv unterlaufen“, schreibt Körner auf seiner Website. Auch wenn ein zeitnahes TikTok-Verbot in Deutschland eher unwahrscheinlich ist, könnte auch deutschen TikToker*innen bald der Spaß am Videodrehen vergehen: Wenn TikTok seine amerikanischen Stars wie die 16-jährige Charli D’Amelio verliert, könnte die Videoplattform schnell an Popularität verlieren und dann sogar ganz aus den Appstores verschwinden.

 

Über eine mögliche Abwendung des TikTok Banns berichtete vorgestern die NewYorkTimes: Laut einer nicht näher spe-

zifizierten Quelle könnte sich Microsoft in Gesprächen mit TikTok befinden, deren US Operationen zu kaufen und somit zu übernehmen. Neben Microsoft sollen auch noch andere US-Firmen involviert sein.

 

Ihr wollt mehr zu dem Thema wissen? Auf Netzpolitik.org könnt ihr euch zu den Datenschutzbedenken und Diskriminierungsvorwürfen bezüglich TikTok ausführlich informieren.

 

- Nellie Zienert, Redakteurin

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