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Dolittle: Eine desaströse Reise oder doch ein fantastisches Abenteuer


"Die fantastische Reise des Dr. Dolittle" oder, wie im Original, "Dolittle" ist ein im Januar 2020 erschienener US-amerikanischer Fantasyfilm von Regisseur Stephen Gaghan und erzählt die Geschichte des walisischen Tierarztes Dr. John Dolittle, der nicht nur sehr gut mit Tieren umgehen sondern sie auch wirklich verstehen kann. Nachdem er nach dem tragischen Tod seiner Frau Lily der Menschenwelt den Rücken gekehrt hatte und jahrelang nur in Gesellschaft seiner tierischen Freunde lebte, bekommt er den Auftrag, die Königin von England zu retten. Queen Victoria ist schwer erkrankt und kann nur durch eine magische Frucht, die nur auf einer versteckten Insel zu finden ist, gerettet werden - doch das Suchen nach dieser Frucht ist nicht nur ein Kampf gegen die Zeit. Dolittle muss sich auch mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen, denn auch seine Frau suchte bereits nach dieser Insel - und kam dabei ums Leben.

Der Film ist eine Adaption des zweiten von Hugh Lofting veröffentlichten Dolittle Buchs namens "The Voyages of Doctor Dolittle" (was auch der ursprünglich geplante originale Filmtitel war), das 1922 auf dem Markt kam und ist damit nur eine von vielen Verfilmungen des Dolittle Franchise. Die Dreharbeiten für die insgesamt 175 Millionen Dollar teure Produktion (exklusive Marketing) fanden bereits im Jahr 2018 statt, jedoch mussten in 21 Drehtagen im Jahr 2019 zahlreiche Szenen neu abgedreht werden, da einige Elemente des Films einfach nicht zusammenspielten. Heraus kam ein chaotischer Box Office Flop, der weltweit um die 224,2 Millionen Dollar einspielte. Aufgrund der hohen Produktionskosten und des zusätzlich teuren Marketings hätte er allerdings um die 500 Millionen Dollar einbringen müssen, um alle Ausgaben zu decken und Universal keine Verluste in Millionenhöhe zu bescheren.

Doch was ist schiefgelaufen? Der Film wurde von vielen Seiten geradezu in der Luft zerrissen, auf Rotten Tomatoes bekam der Streifen von den Kritikern nur traurige 14%. Dabei fing mit dem Cast doch alles so gut an: Hollywood Legende Robert Downey Jr. in der Hauptrolle, Michael Sheen, bekannt aus Produktionen wie zum Beispiel Good Omens, als Antagonist Dr. Blair Müdfly oder Antonio Banderas in der Rolle von König Rassouli. Bekannte Persönlichkeiten wie Emma Thompson, Rami Malek, John Cena, Kumail Nanjiani, Octavia Spencer, Tom Holland oder Selena Gomez als Stimmen der zahlreichen computeranimierten Tiere. Doch das Fantasy-Abenteuer will irgendwie einfach nicht so funktionieren wie geplant. Das erste große Problem, wenn man sich die Originalversion des Films anschaut, ist, man will es gar nicht glauben, die Performance von Robert Downey Jr. Der Mann kann vieles - aber keinen walisischen Akzent. Ich muss gestehen, dass ich ohne das Anschauen von Interviews des Schauspielers bis heute nicht wüsste, um welchen Akzent es sich überhaupt handeln sollte. Der britische Filmkritiker Mark Kermode bezeichnet Downeys Welsh in seiner Review sehr treffend als "irgendetwas vom Mars" - eine absolut unverständliche Sprache fernab von Gut und Böse. Und das auch noch an der Seite von Michael Sheen, geboren in South Wales, der einen einwandfreien britischen Akzent an den Tag legt. Zusätzlich dazu klingen viele seiner Dialoge so, als hätte Downey seine Szenen in der Postproduktion im Studio neu eingesprochen - vielleicht, weil der originale Akzent noch schlimmer war als das, was wir im Kino zu hören bekamen? Doch nicht nur RDJs sprachliche Performance bereitete mir beim Anschauen Gänsehaut, auch die regelrechte Leere in den Stimmen vieler Tiere war ein einziges Trauerspiel. Von dem schauspielerischen Talent vieler Sprecher war in "Dolittle" nicht das geringste zu hören. Am negativsten überrascht hat mich an dieser Stelle Tom Holland in der Rolle von Jip, Dolittles Hund. Holland hat sein großes Talent für Schauspielerei bereits in jungen Jahren in "The Impossible" eindrucksvoll unter Beweis gestellt und auch an seine Performance als Spider Man in beispielsweise Avengers: Infinity War erinnere ich mich gerne zurück. Umso enttäuschender war sein Auftritt in Dolittle. Die Texte waren so dermaßen lustlos und emotionslos eingesprochen, dass man genauso gut einen Laien für den Job hätte einstellen können - der Effekt wäre der gleiche gewesen. Und das ist unglaublich schade, denn der Trailer machte mir absolut Lust auf den Film, vor allem der Cast. Ich bin ein großer Fan von Robert Downey Jr. und habe ihn in "Der Richter" genauso gern gesehen wie in seiner Rolle des Tony Stark im Marvel Cinematic Universe und auch als Sherlock Holmes in Guy Ritchies Sherlock Adaption macht seine Performance einfach Spaß anzuschauen. Dementsprechend gespannt war ich auf seinen neuesten Film, an dem er sogar als Executive Producer mitgearbeitet hat. Doch auch das Skript konnte den Film nicht retten. Die Geschichte wird in einem unglaublich schnellen Tempo erzählt, der Film springt von einem Schauplatz zum nächsten und es bleibt kaum eine Sekunde für ein durchdachtes Charakter Development. Und auch der Humor ist vielen Kritikern unangenehm aufgefallen, denn der Film rutscht an vielen Stellen in pure Albernheit ab.

Trotzdem kann ich Kritiker, die dem Film absolut nichts Gutes abgewinnen können, nicht ganz verstehen. Ja, auch ich habe meine Probleme mit dieser Dolittle Adaption und "Dolittle" ist natürlich bei weitem kein Film für die Academy Awards und er ist auch nicht der beste Kinderfilm, den ich je gesehen habe. Der Plot reißt mich nicht unbedingt vom Hocker, das CGI wird, je größer die Tiere werden, aus mir unerklärlichen Gründen immer schlechter und von Downeys Akzent fange ich gar nicht erst wieder an. Auch das Potenzial der wirklich talentierten Schauspielgrößen wurde einfach nicht ausgenutzt. Wenn man schon Filmlegenden wie Downey, Sheen oder Banderas für einen Film castet, sollte man ihnen auch ein Skript an die Hand geben, das ihnen gerecht wird. Nichtsdestotrotz aber kann der Film nach einem langen anstrengenden Arbeitstag oder mit der ganzen Familie auf der Couch durchaus Spaß machen, denn ich auch musste an einigen Stellen herzlich lachen. Die Witze sind flach und auch ich habe einige davon schon mehr als einmal in anderen Produktionen gehört, aber der Film besitzt trotzdem einen Charme, den man nicht einfach unter den Teppich kehren sollte. Aber auch für mich war der Humor an manchen Stellen einfach zu viel des Guten - spätestens als Downey einem magischen Drachen mit Verstopfung einen Dudelsack aus dem Hinterteil zieht und das magische Tier ihm dafür für einen sehr unangenehm langen Moment die Darmwinde ins Gesicht pustet. "Dolittle" ist ein Film, der sowohl mit der literarischen Vorlage als auch mit dem Cast großes Potenzial besaß, das er einfach nicht richtig ausnutzte. Die Witze sind oft zu albern, die schauspielerische Leistung nicht das, was man hätte erwarten können und der Plot ist zu schnell und gleichzeitig zu vorhersehbar. Aber trotz alle dem: für einen gemütlichen Sonntag mit der Familie auf der Couch taugt "Die fantastische Reise des Dr. Dolittle" allemal, wenn man ihn nicht zu ernst nimmt. Wer sich mit seinen Kindern einfach einmal sinnlos amüsieren und die tägliche Ernsthaftigkeit des Alltags zumindest für 101 Minuten vergessen möchte, für den ist "Die fantastische Reise des Dr. Dolittle" genau das Richtige. Und vor allem für Kinder bietet die Geschichte mit seinen sehr farbenfrohen Bildern und magischen Schauplätzen eine große Ladung Action und Abenteuer.

- Lara Heiße, Chefredakteurin

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