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"Hollywood" - Eine Traumfabrik für alle


„Hollywood“, eine auf Netflix erschienene US-amerikanische Miniserie von Ryan Murphy und Ian Brennan aus dem Jahr 2020, erzählt die Geschichte einer Gruppe junger Menschen, die kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges versuchen, in der Filmbranche Hollywoods Fuß zu fassen.

 

Die Nachwuchstalente könnten unterschiedlicher nicht sein: Jack Castello (David Corenswet), ein junger Kriegsveteran, bekommt trotz seiner zahlreichen Bemühungen nicht einmal eine Statistenrolle. Da seine Frau schwanger ist und Castello kein festes Einkommen hat, nimmt er aus Geldnot einen Job in einer Tankstelle an. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass die Tankstelle ihren Kunden weitaus mehr anbietet als nur das Spritnachfüllen.

Camille Washington (Laura Harrier), eine afroamerikanische Schauspielerin, wünscht sich nichts mehr, als endlich nicht mehr nur die Haushälterin reicher weißer Amerikaner auf der großen Leinwand porträtieren zu dürfen, doch alle ihre Vorsprechen für Hauptrollen werden mit den Worten „Das ist eine weiße Rolle“ abgewiesen. 

Und dann wäre da noch Archie Coleman (Jeremy Pope), ein homosexueller afroamerikanischer Drehbuchautor, der nach einem Abnehmer für seine neueste Filmidee namens „Peg“ sucht, eine Geschichte über die wahre Begebenheit einer Frau, die sich aus Verzweiflung vom Hollywood Zeichen in den Tod stürzte. Und er hat Glück: der halb-asiatische Nachwuchsregisseur Raymond Ainsley (Darren Criss) möchte den Streifen in die Kinos bringen und auch das große Filmstudio Ace Studios ist sofort damit einverstanden. Wäre da nicht das Problem, dass die Verantwortlichen von Ace Studios nichts von Archies afroamerikanischer Herkunft wissen.

Wer bei „Hollywood“ nach historischer Korrektheit sucht, der wird nur teilweise fündig. Das Filmstudio „Ace Studios“ ist frei erfunden und auch Jack, Camille, Archie und Raymond haben ihren Ursprung in Ryan Murphys Fantasie. Wer sich jedoch etwas mit dem Hollywood des letzten Jahrhunderts auskennt, der wird einige bekannte Namen wiedererkennen. So findet sich Jake Picking in der Rolle von Rock Hudson, ein junger aufstrebender Schauspieler, der sich Hals über Kopf in Archie Coleman verliebt. Die liebevoll inszenierte Beziehung der beiden Männer findet auf dem roten Teppich einer Oscar Verleihung ihren Höhepunkt, den die beiden Hand in Hand beschreiten, um der Welt zu zeigen, dass sie sich nicht länger für ihre Liebe verstecken können. In echt wurde Hudsons Homosexualität erst publik, als er öffentlich seine AIDS-Erkrankung bekanntgab, durch die er im Jahr 1985 mit 59 Jahren verstarb. Und auch Jim Parsons Rolle des amerikanischen Filmagenten Henry Willson ist kein fremder. Willson war in echt wie auch in der Serie der Manager von Rock Hudson.

Um die Geschichte so echt wie nur möglich erscheinen zu lassen, hat das Produktionsteam von „Hollywood“ offensichtlich keine Kosten und Mühen gescheut. Von aufwendig nachgebauten Sets bis zu teuren Kleidern und Perücken – alles wirkt authentisch und gibt dem Zuschauer das Gefühl, eine Zeitreise gemacht zu haben. Eine Zeitreise in ein alternatives Hollywood, in dem Rassismus, Sexismus und Homophobie zwar durchaus existieren und den Charakteren das Leben nicht nur an einer Stelle zur Hölle machen, aber in dem jeder einzelne es schafft, diese Hürden zu überkommen und letztendlich sein persönliches Happyend bekommt. Es sind nicht nur die weißen Männer die am Ende die Lorbeeren ernten, sondern eine diverse Gruppe aus Frauen und Männern, Schwarzen und Weißen, Jungen und Alten, LGBT Personen und Heterosexuellen. Jede individuelle Geschichte wird von Murphy mit viel Liebe zum Detail erzählt. In nur sieben Episoden macht jeder einzelne eine spürbare Entwicklung durch: aus ambitionierten Einzelkämpfern werden Teamplayer, skrupellose Egoisten bitten um Entschuldigung und graue Mäuse erstrahlen in neuen Farben. Natürlich ist das alles überaus idealistisch und man darf bei all der positiven Energie, die man von „Hollywood“ bekommt nicht vergessen, dass die echte Geschichte der Traumfabrik weitaus weniger rosig ist als Ryan Murphys Adaption. Aber darum geht es in „Hollywood“ nicht. Es geht nicht darum, die Geschichte so nah wie möglich an der Wirklichkeit zu erzählen, sondern es geht um die Frage: Was wäre gewesen, wenn alle Menschen, unabhängig von Hautfarbe, Alter, Geschlecht und Sexualität, die gleichen Chancen bekommen hätten, in Hollywood erfolgreich zu werden? Was, wenn man die Geschichte noch einmal erzählen könnte, nur dieses Mal siegt das Gute ohne Kompromisse einzugehen? „What if you could rewrite the story?“ Die Geschichte von “Hollywood macht Mut und gibt einem das Gefühl zurück, alles schaffen zu können. Und vielleicht braucht die Welt das gerade mehr als alles andere: ein Happyend für alle.

- Lara Heiße, Chefredakteurin

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