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Langeweile? Nein danke! Serien und Filme gegen den Quarantänekoller


Das Haus ist einmal vom Keller bis zum Dachboden durchgeputzt. Alle aufgeschobenen Hausarbeiten sind geschrieben und abgeschickt, die normalerweise randvolle „To-Do“-Liste, die man schon seit Monaten vor sich herschiebt, restlos abgearbeitet. Sogar die Verwandten, die 300 Kilometer entfernt leben, hat man endlich einmal angerufen, um sich nach dem Wohlbefinden von Tante Hilde zu erkundigen, die man eigentlich schon seit dem zehnten Geburtstag nicht mehr gesehen hat. Und jetzt? Die Ausgangsbeschränkungen gelten immer noch, also kann man den Kinobesuch oder das Workout im Fitnessstudio immer noch vergessen – danke, Corona (aber was muss, das muss). 

Zum Glück aber gibt es zahlreiche Streamingdienste, die einem die auf einmal so endlos erscheinenden Tage etwas verkürzen. Deshalb habe ich euch hier ein paar meiner Serien- und Filmfavoriten zusammen mit den Highlights meiner Kollegin Nellie Zienert kompakt in einem Artikel zusammengestellt. Von ernstem Drama bis lustiger Komödie, von gerade erschienen bis Klassiker – es sollte für jeden Geschmack etwas dabei sein. 

 

  • „Rocketman“ von Dexter Fletcher (2019)
    Wer Musikfilme liebt, für den ist die Filmbiographie über den legendären britischen Sänger Sir Elton Hercules John genau das richtige. Auf humorvolle aber auch sehr berührende Weise erzählt der Film die Geschichte der Pop-Ikone von der Kindheit bis in das Erwachsenenalter hinein und zeigt deutlich, mit welchen Höhen und Tiefen der heute 73-jährige in Karriere und Privatleben zu kämpfen hatte. Dabei werden die Szenen immer wieder von klassischen Elton Songs wie „Your Song“, „Saturday Night´s Alright (For Fighting)“, „Crocodile Rock“ oder „Honky Cat“ begleitet – Mitsingen ist also garantiert. Elton John wird in dem insgesamt 121 Minütigen Werk von dem 31-jährigen britischen Schauspieler Taron Egerton (bekannt aus der „Kingsman“ Reihe oder „Eddie The Eagle“) porträtiert, sein bester Freund und Songweiter Bernie Taupin vom britischen Schauspieler Jamie Bell. Schotte Richard Madden, bekannt als Robb Stark aus Game of Thrones, schlüpft in die Rolle des ehemaligen Musikmanagers John Reid. Der Film ist nicht nur etwas für eingefleischte Elton Fans. Das Werk überzeugt mit mitreißender Musik, aufregenden Kostümen, toller schauspielerischer Leistung und seiner Liebe zum Detail. Der Respekt vor Elton John und seinem Leben ist in jeder Sekunde des Films zu spüren. Das könnte auch daran liegen, dass Kanadier David Furnish, Elton Johns Ehemann, an der Produktion beteiligt war. Bei den Golden Globes durfte „Rocketman“ in den Kategorien „Bester Hauptdarsteller – Komödie/Musical“ (Taron Egerton) und „Bester Filmsong“ („I´m Gonna Love Me Again“) die begehrten Trophäen mit nach Hause nehmen. Bei den Academie Awards 2020 bekam er die Auszeichnung für den „Besten Song“ („I´m Gonna Love Me Again“). Für Musikliebhaber und Elton Fans ist der Film ein absolutes Muss! (Text: Lara Heiße)
  • „Prayers for Bobby“ von Russel Mulcahy (2009)
    „Prayers for Bobby“ ist ein im Jahr 2009 erschienener Film über die wahre Geschichte des Amerikaners Bobby Griffith, der sich im Jahr 1983 mit nur 20 Jahren das Leben nahm. Grund für seinen Suizid: Bobby war schwul und das wurde von seiner streng christlichen Familie nicht akzeptiert. Und obwohl sein Vater und seine Geschwister sich mit der Zeit mit seiner Sexualität abfanden, glaubte seine Mutter Mary Griffith weiterhin, ihren Sohn „heilen“, ihn von seiner Homosexualität „befreien“ zu können – mit unsagbar tragischen Folgen. Nach Bobbies Tod machte Marys Leben eine 180° Wendung. In tiefer Trauer um ihr Kind und von Schuldgefühlen geplagt, wurde sie schließlich Aktivistin für die Vereinigung PFLAG („Parents, Families and Friends of Lesbians and Gays“) und setzte sich bis zu ihrem Tod im Jahr 2020 für LGBTQ+ Personen und deren Familien ein. Der insgesamt 86 Minuten dauernde Film basiert auf dem 1995 erschienen Buch „Prayers for Bobby: A Mother´s Coming to Terms with the Suicide of Her Gay Son” von dem selbst homosexuellen Journalisten Leroy F. Aarons. Aarons erfuhr 1989 über einen Zeitungsartikel von Bobbies Selbstmord und begann 1991 die Geschichte des jungen Mannes zu recherchieren, bis er 1995 sein Buch im HarperCollins Verlag veröffentlichte. Leroy F. Aarons setzte sich als ebenfalls für LGBTQ+ Rechte ein und gründete in den 90er Jahren die National Lesbian and Gay Journalists Association (kurz NLGJA).
    „Prayers for Bobby“ ist bei weitem kein einfacher Film und auch nichts für schwache Nerven. Die Geschichte des jungen Mannes, der Opfer jahrelanger religiöser Homophobie wurde, ist schmerzhaft und geht einem lange nicht mehr aus dem Kopf. Doch sie macht auch Hoffnung, denn Mary Griffiths jahrelanger Einsatz für die Community half vielen queeren Jugendlichen und deren Familien – auch wenn diese Hilfe für ihren eigenen Sohn zu spät kam. Das Werk öffnet die Augen und sensibilisiert dafür, welch große Wirkungskraft Worte haben. Dass Worte ganze Leben zerstören können. Das musste auch Mary Griffith erkennen sagte am 6.Dezember 1995 vor den Mitgliedern des Kongresses der Vereinigten Staaten: „Before you echo Amen in your home or place for worship, think and remember: A child is listening.“ (Text: Lara Heiße)
  • „The King´s Speech“ von Tom Hooper (2010)
    “The King´s Speech – Die Rede des Königs“ ist eine 118 Minütige Filmbiografie über den britischen König Georg VI, gespielt von dem britisch-italienischen Schauspieler Colin Firth. Bei der Oscarverleihung des Jahres 2011 durfte das Werk gleich vier Academy Awards mit nach Hause nehmen, in den Kategorien bester Film, beste Regie, bester Hauptdarsteller und bestes Originaldrehbuch. Der Film erzählt die Geschichte des Vaters von Königin Elisabeth II., der seit seiner Kindheit an schwerem Stottern litt, weshalb öffentliche Amtsansprachen meist in einem Fiasko endeten. Kein Spezialist konnte ihn von seinem Leiden befreien, bis seine Ehefrau den australischen Sprachtherapeuten Lionel Logue ausfindig machen konnte. Die skurrile Therapie, der sich König Georg VI bei ihm unterzieht, ist nicht nur des Königs letzte Hoffnung auf Heilung sondern auch der Beginn einer tiefen lebenslangen Freundschaft. Colin Firth porträtiert den britischen König so überzeugend, dass man ab und zu vergessen könnte, nicht den wirklichen Georg VI vor Augen zu haben. Das wird vor allem deutlich, wenn man originale Reden des Königs mit den Filmversionen vergleicht. Der Film hat seine vier Oscarauszeichnungen wirklich mehr als verdient und bietet eine sehr emotionale Geschichtsstunde für alle, die sich für das britische Königshaus interessieren. (Text: Lara Heiße)
  • „Eddie the Eagle“ von Dexter Fletcher (2016)
    Sportfans aufgepasst! „Eddie the Eagle – Alles ist möglich“, eine britisch-US-amerikanisch-deutsche Filmbiografie aus dem Jahr 2016, erzählt die Geschichte des britischen Skispringers Michael Edwards, besser bekannt als Eddie the Eagle. Edwards wünschte sich schon seit seiner Kindheit irgendwann einmal an den Olympischen Spielen teilzunehmen – die Frage war nur: in welcher Disziplin? Erst versuchte sich der heute 57-jährige an Judo, Volleyball und dem Reitsport, bis er Mitte/Ende der 80er Jahre seine Leidenschaft für den Skisport entdeckte, genauer gesagt für das Skispringen. Ohne Unterstützung von offizieller Seite nahm er 1987 an den Nordischen Skiweltmeisterschaften in Oberstdorf teil, wo er mit einer Sprungweite von 73,5 Metern den letzten Platz belegte. Seine Weite brachte ihm allerdings den britischen Rekord ein, wodurch sich Michael Edwards für die Olympischen Winterspiele 1988 in Calgary, Kanada, qualifizierte.
    Der 105 Minütige Film verfolgt das Leben des wohl außergewöhnlichsten Olympioniken aller Zeiten von seiner Kindheit bis zu seiner Heimkehr aus Calgary nach den Olympischen Spielen. Taron Egerton schlüpft dabei in die Rolle von Eddie the Eagle, Hugh Jackman ist als Edwards Trainer Bronson Peary zu sehen. Mit Iris Berben ist auch eine deutsche Schauspielerin am Set vertreten. Sie spielt Petra, die Leiterin einer Gaststätte auf dem Skisprunggelände in Oberstdort.
    „Eddie the Eagle – Alles ist möglich“ ist ein Film, der gute Laue macht. Egerton überzeugt auch in dieser Rolle mit der humorvollen und unglaublich sympathischen Art, mit der er Edwards auf die Leinwand bringt.
    Wer nach diesem Steifen immer noch denkt, er könnte seine Träume nicht erreichen, der hat nicht richtig aufgepasst. Denn wenn uns Michael Edwards eines gelehrt hat, dann, dass man wirklich alles schaffen kann, wenn man nie aufhört, dafür zu kämpfen. (Text: Lara Heiße)

 

  • „What We Do in the Shadows“ von Jemaine Clement und Taika Waititi (2014)
    Habt ihr schon einmal von einer „Mockumentary“ gehört? Eine Mockumentary, auch Docucomedy genannt, ist ein Film mit fiktive Ereignisse und fiktive Personen im Stil einer Dokumentation – eine Art „Fake“- Dokumentation sozusagen. Und genau das ist „What We Do in the Shadows“, der im deutschen unter dem Titel „5 Zimmer Küche Sarg“ zu finden ist. Die Geschichte dreht sich um eine neuseeländische Vampir-WG, die über mehrere Monate von einem Kamerateam durch ihren Alltag begleitet wird. Damit dem (menschlichen) Fernsehteam dabei nichts passiert, wurde ihnen von den Bewohnern des Hauses für die Drehzeit körperliche Unversehrtheit garantiert. Der Zuschauer bekommt den gesamten Film aus der Perspektive der Kameramänner zu sehen – wie bei einer echten Dokumentation. Insgesamt bewohnen vier Vampire das etwas heruntergekommene Haus in einer Vorstadt von Wellington, Hauptstadt von Neuseeland: Viago ,379 Jahre alt. Der 862 Jahre alte Vladislav, der 183-jährige Deacon und der 8000 Jahre alte Petyr. Alle vier könnten von ihrer Art her nicht unterschiedlicher sein und doch sind sie ohne Ausnahme auf ihre verrückte Weise herrlich sympathisch. Wer sich schon immer gefragt hat, mit welchen „day-to-day“-Problemen Vampire zu kämpfen haben, der sollte sich diesen Streifen definitiv nicht entgehen lassen. (Text: Lara Heiße) 
  • „Kingsman: The Secret Service“ von Matthew Vaughn (2014)
    Die britisch-US-amerikanische Agentenkomödie ist eine Verfilmung des Comics „The Secret Service“ von Mark Miller und Dave Gibbon  und ist ab 16 Jahren freigegeben. Die Geschichte dreht sich um die britische Geheimorganisation Kingsman, deren Mitglieder zu echten Gentlemans ausgebildet werden und als Codenamen Namen von Personen der Artussage tragen. Hauptcharakter Gary „Eggsy“ Unwin, gespielt von Taron Egerton, wird von dem von Colin Firth gespielten Agenten Harry Hart, Codename „Galahad“, für das Aufnahmeprogramm der Kingsman rekrutiert. Dort muss der junge Mann, der anders als seine Kontrahenten weder in eine reiche Familie geboren wurde noch weiß, wie sich ein echter Kingsman Gentleman zu verhalten hat, im wohl gefährlichsten Jobinterview der Welt zeigen, was wirklich hinter seiner kriminellen und nichtsnützig erscheinenden Fassade steckt – bis er sich plötzlich einem Mann gegenübersieht, der plant, die Weltbevölkerung drastisch zu minimieren. Das Schicksal des Planeten liegt damit in Eggsys Händen.
    „Kingsman: The Secret Service“ ist eine Komödie der besonderen Art. Wer blutige Kampfszenen, mitunter auch schmutzigen Humor und Spionagefilme liebt, der sollte sich diesen Streifen nicht entgehen lassen!
    Und wer nach diesen 129 Minuten (verständlicherweise) noch nicht genug hat, der kann sich freuen, denn 2017 kam der zweite Teil in die Kinos. „Kingsman: The Golden Circle“ ist eine direkte Fortsetzung des ersten Teils. Dieses Mal folgen wir Eggsy nach Kentucky auf der Mission, die durchgeknallte Drogenbaronin Poppy Adams (Julianne Moore) an ihren blutigen Machenschaften zu hindern. Auch dieser Kingsman Teil ist ab 16 Jahren freigegeben und steht dem ersten Teil in Aktion und Humor in nichts nach. (Text: Lara Heiße)
  • „After Passion“ von Jenny Gage (2019)
    Zugegeben, wenn man erstmal weiß, dass die Romanze "After Passion" auf einer Wattpad-Fanfiction über Harry Styles basiert, kann man die Klischees nicht mehr übersehen: Die brave und unschuldige Tessa Young verliebt sich auf dem College in einen heißen Bad Boy, der seine guten Seiten unter Beweis stellen muss. Doch für alle, die auf gehaltlosen Kitsch stehen, ist der Film perfekt, um sich mit einer Tasse Tee vor den Laptop zu setzen und mitzuschwärmen. Denn Herzensbrecher Hardin Scott ist nicht nur in den Augen der Hauptfigur ein richtiges Schnittchen. (Text: Nellie Zienert)  
  • „Drei Schritte zu dir“ von Justin Baldoni (2019)
    In der Corona-Pandemie heißt es vor allem: Abstand halten. Die Umarmung zur Begrüßung, die tröstende Hand auf der Schulter, die warmen Lippen des Liebhabers: all diese menschlichen Berührungen müssen wir erstmal bis auf das Mindeste zurückfahren. Für Stella aus "Drei Schritte zu dir" ist das schon lange Alltag. Sie leidet unter Mukoviszidose und darf ihren Mitpatient*innen nicht zu nahe kommen, denn die Bakterien der Anderen könnten sie umbringen. An ihren strikten Behandlungsplan muss sich die junge Protagonistin halten - wäre da nicht die große Liebe, die nur ein paar Krankenhauszimmer weiter wohnt und bereit ist, alle Regeln zu brechen. (Text: Nellie Zienert)
  • „Skins – Hautnah“ (2007-2013)
    "Skins - Hautnah" ist der Klassiker unter britischen Teenie-Serien. Die jungen Protagonist*innen begehen alle Jugendsünden, die wir uns nur in unseren wildesten Träumen vorstellen könnten. Sie mischen Drogen in den Brownieteig der übervorsichtigen Mutter, bahnen mit ihrer jungen Lehrerin an und versenken Autos im See. Doch Achtung: Gerade der Drogenkonsum und die psychischen Probleme der Figuren werden unrealistisch und idealistisch dargestellt. Für viele Fans ist der leichtsinnige und exzessive Lebensstil der Protagonist*innen jedoch das, was den Reiz der Serie erst ausmacht. (Text: Nellie Zienert) 

 


- Lara Heiße in Zusammenarbeit mit Nellie Zienert


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