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Ein Patient auf der Intensivstation: Die Lage in Fürth und im Klinikum mit OB Thomas Jung


Dienstag, 24.3.2020, 11:30: Die Stadt Fürth lädt zur Pressekonferenz auf dem Gelände des Klinikums zum Thema Corona-Virus

 

Neben uns, dem direkt. Magazin, sind ca. 20 weitere Journalisten vor Ort, wir alle versuchen den Mindestabstand so gut es geht einzuhalten, plötzlich fährt ein Auto vor. Es ist Dr. Thomas Jung, der gerade frisch wiedergewählte Oberbürgermeister, der uns in wenigen Minuten Rede und Antwort stehen wird. Mit dazu kommen aus der genau entgegengesetzten Richtung der Rechts- und Ordnungsreferent Mathias Kreitinger und Dr. Wagner vom Klinikum. Uns allen werden Atemmasken ausgeteilt, um die Mitarbeiter des Krankenhauses zu schützen und los geht die Pressekonferenz.

Luca M Schallenberger, Chefredakteur
Luca M Schallenberger, Chefredakteur
Kreitinger (Ordnungsreferent),  OB Jung, Dr. Wagner (Klinikum)
Kreitinger (Ordnungsreferent), OB Jung, Dr. Wagner (Klinikum)

Als erster wendet sich Dr. Thomas Jung an uns, er wirkt relativ gelassen. Nach einigen einleitenden Worten kommt er zum Thema Wirtschaft und wie die Fürther Unternehmen durch das Virus belastet werden. Die Stadt Fürth geht davon aus, dass 10 - 20 Prozent der Gewerbe existenziell bedroht sind, zudem fürchtet die Kleeblattstadt Gewerbesteuereinbrüche um bis zu 50 Prozent, das würde uns auf das Niveau der Quelle Pleite vor einigen Jahren zurücksetzten. Außerdem wird auch ein erheblicher Teil der Einkommenssteuer wegfallen. In konkreten Zahlen sind das 60 Millionen Euro an Einnahmen, die voraussichtlich fehlen werden. Dennoch beteuert Jung, dass Fürth das für ein Jahr wegstecken kann, zwei wären allerdings schwierig. Bezüglich der Infektionszahlen merkt er an, dass Fürth aktuell alles unter Kontrolle hat.

Anschließend wendet sich der Rechtsreferent Kreitinger an uns und legt die aktuellen Infektionszahlen in Fürth Stadt dar. Nach gestrigem Stand sind es 25, im Klinikum werden aktuell zwei Corona-Patienten betreut, einer davon auf der Intensivstation.

Dr. Wagner nimmt den Platz in der Mitte ein und äußert sich zur Lage des Fürther Klinikums. Sie haben bereits Ende Februar mit den Vorbereitungen begonnen und somit früher als viele andere Kliniken Schutzmaterial bestellt. Deswegen seien die Vorräte gut gefüllt und sollten nach aktuellem Verbrauch noch circa 3 bis 4 Wochen ausreichen. Dennoch sind sie ständig darum bemüht, weiterhin Nachschub zu erhalten. Zudem hat es sein Personal besonders auf den Intensivbetrieb geschult und weitere interne Maßnahmen getroffen, um die Angestellten zu schützen. So haben sie zum Beispiel die Cafeteria geschlossen und einen hauseigenen Podcast produziert, der die Mitarbeiter wöchentlich über die aktuelle Lage informiert. In Zukunft soll dieser aus Transparenzgründen auch der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.

Kreitinger
Kreitinger
Dr. Wagner
Dr. Wagner

Die immer wieder allgemein kritisch beäugte Beatmungskapazität will das Klinikum verdoppeln. Vor Wochen sei diese Idee noch unvorstellbar gewesen, merkt Dr. Wagner an, nun werden sie dieses Ziel „mit großer Wahrscheinlichkeit“ erreichen.

Auch das Testverfahren wollen sie beschleunigen. Da Fürth - im Gegensatz zu anderen Krankenhäusern - sein Labor nicht outgesourced hat, besteht prinzipiell die Möglichkeit, Proben in Fürth selbst auf das Corona-Virus zu testen. Aktuell ist dies noch nicht der Fall, geplant ist allerdings, nächste Woche damit zu beginnen. So können Proben schneller analysiert und Betten eventuell zügiger wieder zur Verfügung gestellt werden.

Abschließend merkt er an, dass ein „super Team“ im Klinikum zur Verfügung steht, um diese Krise zu meistern und dass es keinen „Sinn ergibt, Panik zu machen“; das Klinikum schaffe das!

 

- Text und Bilder: Luca M Schallenberger, Chefredakteur