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Corona: Eine Rekapitulation der Ereignisse


Wie schnell sich alles in einer Woche ändern kann.

Mein letzter Artikel war ein Kommentar zum Corona-Virus, oder Sars-CoV-2, wie die offizielle Bezeichnung lautet. Dort hab‘ ich mich noch etwas darüber ausgelassen, dass die Leute die einfachsten Hygienemaßnahmen nicht einhalten wollten. Ich habe nicht damit gerechnet, dass die Situation so eskalieren würde, ich hatte noch etwas Vertrauen in meine Mitmenschen. War wohl nix.

Das haben wir alle jetzt davon: Eine Ausgangssperre light.

 

Ich sitze also Samstagabend (vorgestern zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels, Anm. d. Red.) an diesem Artikel und lasse Revue passieren, was seit letztem Sonntag alles in unseren Leben geschehen ist. Zweifellos ist das für so ziemlich jeden, der nach dem zweiten Weltkrieg geboren wurde, eine noch nie dagewesene Situation.

Betrachten wir die einzelnen Schritte und beginnen am…

 

Sonntag, 15.03.2020: Tag der Wahl

Bayerische Bürgermenschen wählen deren Vertreter in die kommunalen Gremien: Stadtrat und Oberbürgermeister in Fürth. Trotz der zunehmenden Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus ist die Wahlbeteiligung erfreulich hoch, wenn auch nicht überragend. Viele Menschen nutzen die Möglichkeit der Briefwahl. In den Wahllokalen tragen die Wahlhelfermenschen Handschuhe und der Wählermensch soll seinen eigenen Stift mitbringen, nachdem sie lange anstanden, aber das eher wegen dem Abstand zueinander und der Überfülle an Kandidatenmenschen auf den Wahlzetteln.

Schulen und Kitas sind seit Samstag geschlossen bis zum Ende der Osterferien, aber da der nächste reguläre Öffnungstag eh erst morgen wäre, fällt das noch nicht ins Gewicht. Ich bin noch ziemlich entspannt und verfolge nebenbei die Ankündigung, was morgen geschehen soll… (Eine Zusammenfassung der Kommunalwahl als Video findest du hier)

Montag, 16.03.2020: Katastrophenfall

Landesfürst Markus Söder ruft den Katastrophenfall für den gesamten Freistaat aus – das erste Mal in dessen Geschichte. Zunächst für zwei Wochen zur höheren Effektivität der Verwaltung. Im äußersten Notfall bedeutet das: Die Möglichkeit der Beschlagnahmung privater Beatmungsgeräte. Für die meisten Bürgermenschen heißt das erstmal: letzte Möglichkeit, bestimmte Geschäfte und Freizeitaktivitäten zu besuchen. Für die notwendigen Stichwahlen in zwei Wochen werden in den betroffenen Gemeinden nur Briefwahlen durchgeführt. Ich bekomme viele dumme Memes über Klopapier zugesandt. Meine Reservierung für das Lastenrad der infra, das ich morgen für einen Tag im Baumarkt ausleihen wollte, wird storniert.

Ministerpräsident Markus Söder | Quelle: Bayerische Staatskanzlei
Ministerpräsident Markus Söder | Quelle: Bayerische Staatskanzlei

Dienstag, 17.03.2020: Nachts im Museum

Alle Freizeiteinrichtungen werden geschlossen, zunächst bis zum Ende der Osterferien am 19.04. Alle nicht-privaten Veranstaltungen werden verboten, private sollten tunlichst vermieden werden. Intensiv-Kapazitäten in den Kliniken sollen ausgebaut und für Corona-Patienten freigehalten werden. Medizinstudenten und Reservisten mögen sich doch bitte zur Verfügung stellen. Wenn sich die Situation noch weiter verschlimmert, sind auch Feldlazarette in Messehallen, auch mit Unterstützung der Bundeswehr, denkbar. Für die Wirtschaft werden die Stundung („Aufschieben“) von Steuerzahlungen sowie diverse Geldsummen zur Verfügung bestellt, sei es über die Beteiligung des Freistaates an wankenden Unternehmen über den „Bayern-Fonds“, oder einen Schutzschirm für Selbstständige mit Soforthilfen. Die Schuldenbremse wird ausgesetzt. Ich sage bis Ende Juni alle Termine ab und sehe einen Kalender voller roter Einträge. Ich bin genervt. Allerdings hat der Fahrradladen doch noch offen gehabt, und ich konnte das Lastenrad doch noch ausleihen. Radl zum Baumarkt und kaufe Gartenzeug. Und abends mal ich ein Bild, weil mehr Kultur gibt’s fürs erste ja nicht.

 

 

Mittwoch, 18.03.2020: Hamsterparade

Heute trifft es den Einzelhandel: Alle Geschäfte, die nicht dem täglichen Bedarf decken, werden geschlossen. Geöffnet sind weiterhin Supermärkte, Optiker, Friseure, Garten- und Baumärkte, Banken, Apotheken, Tankstellen und Tierbedarf, und das sogar Montag bis Samstag von 6-22h und Sonntag von 12-18h. Die Gastronomie wird bis zunächst 30. März beschränkt: Geöffnet sind nur noch Speiselokale und Kantinen von 6-15h, wenn jeder Gast einen Abstand von 1,50m zu den anderen Personen hat und maximal 30 Personen gleichzeitig bewirtet werden, danach gibt es Essen nur noch To-Go, als Drive-In oder Lieferung. Hotels sind vorerst nicht betroffen. Der Start der bayerischen Abiturprüfungen wird verschoben und die Polizei muss zunehmend sog. „Corona-Parties“ auflösen. In Mitterteich und im Landkreis Wunsiedel gibt es die ersten richtigen Ausgangssperren. Ich bin total energiegeladen vom Frühlingswetter und mach den Garten schön. Das Lastenrad darf ich noch behalten, weil es nach meiner Abgabe eh niemand mehr ausleihen könnte auf unbestimmte Zeit. Außerdem kommt es mir ganz gelegen für die Nachbarschaftshilfe.

 

Donnerstag, 19.03.2020: Zombies im Frühling

Söder droht mit einer bayernweiten Ausgangsbeschränkung, sollten sich die Bürgermenschen nicht schleunigst an die Gebote des „social distancing“ und Virusbekämpfung halten. Immer noch missachten viele die Gebote; bei meiner Radtour entlang der Pegnitz (regelkonform!) sehe ich Unmengen an eng beieinanderstehenden Zombies äh Menschen beim Grillen. Ich sehe jetzt auch das erste Mal, dass in den Bussen die Vordertüren nicht mehr geöffnet werden und innen die vorderen Sitze abgesperrt sind als Schutz für das Fahrpersonal, ist aber schon seit ein paar Tagen so, hab‘ ich gelesen. Ich fahre mit dem Rad zur Eisdiele und werde fast von einem Taxifahrer überfahren, der das Prinzip einer Einbahnstraße nicht kennt. Und die Nachbarschaftshilfe will mich nicht, weil schon zu viele helfen.

 

Freitag, 20.03.2020: Sturm vor der Ruhe

Es kommt, wie es kommen musste: Ab morgen herrscht eine Ausgangsbeschränkung für ganz Bayern. Das ist die letzte Stufe vor der kompletten Ausgangssperre. Im Zuge der kommenden Beschränkungen müssen nun weitere Geschäfte schließen, unter anderem Friseure, Optiker und Bau- und Gartenmärkte. Bei Letzteren stehen die Menschen bis weit nach 20h Schlange, um schnell noch die lebenswichtige 2€ Pflanzenerde für die zwei Tage durchhaltenden Blumen zu kaufen. Außerdem müssen Restaurants ihren Innenbetrieb nun komplett einstellen. Die kommende Ausgangsbeschränkung soll für zunächst vierzehn Tage gelten, ich bin mir aber sicher, dass es länger dauern wird. Ich geb‘ zu: Für die Nachbarin bin ich um halb 22h nochmal schnell zum Gartenmarkt geradelt und hab gefühlt das letzte Päckchen Blumenerde der Welt gekauft.

 

Samstag, 21.03.2020: Bayern allein zu Haus

Ab Mitternacht darf mensch das Haus nur noch für die Arbeit (sofern die überhaupt noch notwendig ist), Lebensmitteleinkauf und Arztbesuche verlassen. Auch noch erlaubt ist Sport und Bewegung im Freien allein oder mit den im selben Haushalt lebenden Personen. Das pünktlich zur Situation eingesetzte Schmuddelwetter macht es am ersten Tag leicht, drinnen zu bleiben. Verstößt mensch gegen diese strengen Auflagen, sind Bußgelder bis zu 25.000€ möglich. Freunde schicken mir Bilder von menschenleeren Straßen in der Region. Anscheinend wirkt es. Mal sehen, ob es das bald wiederkehrende Frühlingswetter übersteht. Ich merke, dass die Leute mega angespannt sind, und habe ziemlich Streit mit zwei verschiedenen Leuten. Ich überlege, Erntehelfer zu werden. Ab nächster Woche wird der ÖPNV ziemlich zurückgefahren, alles auf Samstag-Fahrplan, die Nightliner fahren gar nicht mehr.

 

Ich bin dreigespalten: 

  1. Ich möchte infiziert sein: Dann weiß ich, dass ich mich einige Zeit einsperren muss, und dann hab ich es hinter mir.
  2. Ich möchte es hinter mir haben: dann kann ich niemanden mehr anstecken.
  3. Ich möchte es nicht haben: Ich habe schließlich keine Ahnung, wie ich darauf reagiere.

Wissen kann ich es nicht. Und deswegen verhalte ich mich einfach, als wäre ich infiziert und #staythefuckhome.

Wie seht ihr das? Schreibt es uns über die asozialen Medien! Bleibt gesund, Freunde.

 

- Aaron, Redakteur

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