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"Bitte nicht schminken" - Ein Kommentar


Die Vorstellung einer Frau, die sich zu schminken und gut auszusehen hat und eines Mannes, der möglichst „männlich” sein sollte, sind für viele längst veraltetes Gedankengut. Letzteres allerdings nicht für Barbara Schöneberger, die vor einiger Zeit mit einem Video für Aufsehen sorgte, als sie in diesem Männer aufforderte, sich nicht zu schminken. Anstatt sich zu schminken - dazu gehört für sie auch das Kaschieren von Augenschatten - sollen sie sich lieber „irgendeine Creme“ ins Gesicht schmieren. Besonders verwirrend ist jedoch, dass Barbara zu Beginn des 51 Sekunden langen Clips sagt, dass Männer Männer bleiben sollen und damit impliziert, sich schminkende Männer seien keine echten Männer. Schminke ändert die Geschlechtsidentität einer Person nicht, nur weil sie mit Schminke nicht mehr dem Stereotyp entspricht.

Quelle: Instagram/barbaramagzin
Quelle: Instagram/barbaramagzin

Als Reaktion auf den heftigen Widerspruch der Instagram-Community unter ihrem Clip, postet Barbara wieder ein Video. Sie relativiert, was sie gesagt hat und beteuert, dass keinesfalls die Jungs, „die bunt sind, die ihre Individualität ausdrücken wollen“ gemeint waren. Das klingt sehr widersprüchlich, zumal doch jede*r seine Individualität anders ausdrückt - manche nun einmal, indem sie ihre Wangen betonen oder ihre Augenringe abdecken.

Quelle: Instagram/barbaramagazin
Quelle: Instagram/barbaramagazin

Dass Barbara sagt, ihre Haltung hänge wahrscheinlich damit zusammen, dass sie aus einer anderen Generation stammt, ist keine Entschuldigung - welche eigentlich angebracht gewesen wäre - für ihre Äußerungen, mit welchen sie einigen nicht nur „auf die Füße getreten“ ist, sondern vielmehr ins Gesicht geschlagen hat. Das Problem an dem, was sie gesagt hat, ist weniger fehlende politische Korrektheit, als das Festhalten an Rollenbildern und schließlich Kritik daran, dass Menschen sich frei entfalten wollen. 

Gerade in einer Zeit, in der die Individualität des*der Einzelnen und die Offenheit der Gesellschaft immer mehr in Bedrängnis gerät, sollten Personen des öffentlichen Lebens, wie Barbara Schöneberger ist, es vermeiden, durch polarisierendes Gerede die Spaltung der Gesellschaft weiter vorantreiben.

 

Natürlich - und zum Glück - ist das, was Frau Schöneberger gesagt hat kein „päpstliches Dekret“, trotzdem wäre es das nächste Mal angebrachter, „Showgeschäft“ nicht auf Kosten von Minderheiten zu betreiben. 

 

- Alexander Bohn, Redakteur

 

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