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Was macht eigentlich ein Brunnenbauer?


Herzlich Willkommen zur zweiten Ausgabe von „Komm’se rein, könn’se rausschaun“!

Wasser ist Leben. Soweit, so gut.

Jetzt ist es aber so, dass 97,4% allen Wassers auf der Erde für die meisten Lebewesen (uns eingeschlossen) nicht trinkbar ist, da salzig.

Bleiben also noch 2,6%.

Von diesen sind zwei Drittel in Eis gebunden und genauso unzugänglich.

Sind noch 0,86666666666666666666666666666666666666666666666% übrig.

 

Um an die zu kommen, benötigt es vielerorts tiefe Brunnen und besondere technische Anlagen. Auch in unserm schönen Fürth gibt es solche Trinkwasserbrunnen, damit wir alle unser kristallklares und reinstes Leitungswasser für allerlei Dinge nutzen können. Übrigens: kein einiges Lebensmittel in Deutschland wird strenger kontrolliert als Leitungswasser!

Diesmal möchte ich euch aufklären, wie genau solche Brunnen gebaut werden, wer das eigentlich macht und euch (erneut) auf eine Reise in den Untergrund unserer Stadt mitnehmen, zumindest da, wo eben die Brunnen stehen 😉

Ende September traf ich mich mit Armin Goldfuß von der Firma „Ochs GmbH“. Das Firmengelände liegt gerade noch so in Nürnberg, wenige Meter weiter die Straße rauf ist die Stadtgrenze zu Fürth. Das ist aber nicht so wichtig, da das Unternehmen auch für die Stadt Fürth Aufträge erledigt.

Vor dem Eingang steht ein altes Pumpenschloss. Damit wurde früher die Verbindung zwischen Pumpe und Leitungsrohr geschlossen, indem das Handrad gedreht wurde und sich im Inneren dann eine Scheibe senkrecht ins Rohr drehte. Praktisch, wenn mal etwas an der Pumpe repariert werden sollte.

 

Im Büro von Herrn Goldfuß erklärt mir dieser zunächst, welche Aufgaben die Firma wahrnimmt und wo sie bereits tätig war. Die Firma „Ochs GmbH“ ist tatsächlich ein Konsortium und aufgeteilt in „Rohr“ und „Bohr“, um zweiteres geht es bei meinem Besuch. Das Unternehmen deckt jegliche Art von Brunnenbau ab, seien es Brauerei- oder Mineralwasserbrunnen, aber auch deutschlandweit Trinkwasserbrunnen, wie eben auch bei uns in Fürth. Bei solchen sensiblen Angelegenheiten wie beim Trinkwasserbrunnenbau gibt es eine Vielzahl an Vorsichtsmaßnahmen und amtlichen Vorschriften. Beispielsweise werden in diesem Fall keine Dieselaggregate auf der Baustelle verwendet, um eine Kontamination des Trinkwassers zu vermeiden.

Damit diese und alle anderen Details seitens der Firma eingehalten werden, schauen das Wasserwirtschaftsamt, das Bergamt, das Landratsamt und das Gewerbeaufsichtsamt ganz genau hin. Und schließlich gibt es da auch noch die lieben Geologen von der Stadt, die mit ihrer Expertise zum Gelingen des Bohrunternehmens beitragen. Ihre Aufgabe ist es, eine genaue Kartierung der Bohrzone anzulegen, damit beim Bohren dann keine Überraschungen aus dem Untergrund entspringen.

Dafür werden so genannte Erkundungs- und Aufschlussbohrungen unternommen, welche wichtig sind, um den Bohrkopf und das Bohrverfahren im Vorfeld festlegen zu können. Böse Zungen nennen diese Bohrungen „Mauslöcher“. Später wird mir ein solcher Apparat gezeigt.

 

Zunächst unterhalten wir uns aber über die beruflichen Perspektiven in der Brunnenbauerbranche. Grundlegende Ausbildung ist jene zum/zur „Brunnenfacharbeiter*in“. Diese deckt so ziemlich alles ab, was im Unternehmen an handwerklichen Tätigkeiten anfällt. Und die Ausbildung lohnt sich: Bereits im ersten Lehrjahr winken 1.000€ monatlich und meistens eine Viertage-Woche.

Meistens. Es gibt schließlich Gründe für diese gute Ausgangsposition: Generell muss Reise- und Übernachtungsbereitschaft, Flexibilität und eine gewisse Wetterfestigkeit und Grundkondition vong Fitness her mitgebracht werden. Schließlich spielt bei diesem Job draußen die Musik.

 

Manchmal ist aber auch Schichtarbeit angesagt: z.B., wenn eine Bohrung in komplizierten Gesteinsformationen läuft, da kann nicht einfach Freitag abends aufgehört werden und dann Montag früh weiter gebohrt werden. Für diese Fälle gibt es ein Drei-Schicht-System, bei dem es maximal zu einer Arbeitsbelastung von zehn Tagen kommt, danach sind fünf Tage Erholung angesagt.

Weitere Vorteile sind die Übernahme der Gebühren für eine Fitness-Center-Mitgliedschaft und natürlich auch ausreichende Berufskleidung. Und mindestens eine Schulung im Jahr, sowie diverse Zertifizierungen. Zuletzt sind noch sämtliche Arten von Führerscheinen notwendig, welche auch von der Firma gesponsert werden können.

Herr Goldfuß beschreibt die Arbeit im Brunnenbau wie folgt: spannend, innovationsfordernd, ausdauernd.

Dennoch ein kleines Wort der Warnung: Der Beruf ist sehr maschinenlastig. Fahrzeuge können ausschwenken. Nasse oder vereiste Baustellen bergen Rutschgefahr. Und ein ins Bohrloch fallen gelassener Schraubenschlüssel fabriziert leicht mal einen hohen fünfstelligen Schaden. Aus diesem Grund wird bei der Ochs GmbH jede Person, die den anspruchsvollen Weg der Ausbildung beschreitet, bei der Hand genommen und gut unterstützt. Es gibt ein Ausbildungscenter in Rostrup; Reise- und Übernachtungskosten werden übernommen. Dort passiert der Blockunterricht, außer zwischen dem 20.12. und dem 07.01. eines Jahres, da ist schul- und arbeitsfrei für die gesamte Belegschaft. Aufgrund der Diversität der Ausbildung sind dann auch andere Berufszweige eröffnet. Und mit einer Übernahmequote von 90% kommt so ziemlich jeder unter, sofern mensch es schafft, sich drei Jahre durchzubeißen und die Verantwortung, die mit diesem Beruf und dem Maschinenführen einhergeht, zu übernehmen. Letztlich kann man bei der Ochs GmbH als Ingenieur*in, Geolog*in, Brunnenbaufacharbeiter*in und -meister*in, Rohrleitungsbauer*in und -meister*in, LKW-Führer*in, Geräteführer*in, Lagerist*in, Schweißer*in, Dreher*in, Elektromeister*in, Maschinenschlosser*in und zuletzt Landwirtschaftsmaschinenmechaniker*in arbeiten. Also eine ganze Menge an Möglichkeiten! Es werden aber nicht nur Brunnen gebaut, sondern auch gewartet und restauriert. Das nennt sich dann „Regeneration“.

 

Bevor es zum Rundgang über das Gelände los geht, stelle ich Herrn Goldfuß die Frage, wem das Grundwasser eigentlich gehört.

„Allen, aber…“ antwortet er: Obwohl das Grundwasser, wie der Boden, zum Grundstückseigentum gehört, kann nicht einfach so ein Brunnen gebohrt werden. Da hat das Landratsamt nämlich etwas dagegen – schließlich obliegt es dem Amt zu entscheiden, wo und wie das Grundwasser angezapft werden darf. Für den Privatgebrauch werden normalerweise Pumpleistungen von drei Litern/Sekunde verbaut, in seltenen Fällen auch das Maximum von fünf l/s, was einer 6-Zoll-Pumpe entspricht. 

Wir wechseln die Straßenseite und gehen rüber auf das Lager- und Werkstattgelände der Firma. Als erstes werden mir zwei Apparaturen gezeigt, mit denen die bereits oben genannten Erkundungsbohrungen durchgeführt werden können. Praktischerweise alles jeweils auf einem Anhänger.

Beim Betreten der Lager- und Maschinenhalle fällt mir ein großes Regal mit vielen Stangen auf. Dabei handelt es sich um das so genannte Gestänge. Diese bilden die Verbindung zwischen Bohrkopf und Motor, der die ganze Konstruktion dreht, damit der Bohrer eben bohren kann. Die Stangen sind mehrere zehntausend Euro wert und erreichen zusammengesteckt eine Länge bis zu 1.500m.

Vielleicht haben einige von euch bereits gehört, dass durch den exzessiven Einsatz von Gülle auf deutschen Feldern der Nitratgehalt im Grundwasser so hoch wurde, dass die EU-Kommission Deutschland deswegen verklagt hat. In Süddeutschland ist das zum Glück noch nicht ein so großes Problem, denn hier werden die Brunnen versiegelt: Stahlrohre werden oben am Brunnenkonstrukt angebracht und das Nitrat der obersten Bodenschichten dadurch aus dem Wasser ferngehalten.

Hier seht ihr einen Brunnenkopf, also den obersten Teil eines Brunnens. Das Rohr in der Mitte ist das, durch welches das Grundwasser von einer Pumpe nach oben gefördert wird. Zum genauen Aufbau eines Brunnens komme ich später noch, wenn wir uns alle Bestandteile angesehen haben 😉

Da auch Brunnenrohre ab und zu einer Reinigung bedürfen, gibt es solche große Rohrbürsten, welche anstatt eines Bohrers in das Rohr gelassen werden können.

Gegenüber der großen Bürste lagern diverse Peil- und Aufschlussrohre; eben jene werden für die „Mausloch“-Bohrungen verwendet.

Hier seht ihr einige der Brunnenrohre. Durch diese fließt das Wasser, von der Pumpe gefördert, vom Boden des Brunnens bis zum Brunnenkopf nach oben. Diese Rohre sind aus Edelstahl und kosten auf drei Meter locker mal 1.000€. Je nach Anwendungsbereich und Kundenwünschen sind hier sehr hohe und spezifische Anforderungen gegeben. Wenn ihr ganz genau hinseht, könnt ihr im langen Rohr auf der linken Seite des Bildes feine Lamellenschlitze erkennen. Durch diese dringt das von Kies oder Glaskugeln vorgefilterte Grundwasser ins Rohr ein, um dann abgepumpt zu werden.

Einmal umdrehen und das Meißellager betrachten. Die Bohrköpfe werden nämlich Meißel genannt. Für jede Situation lagern hier die passenden Lösungen. Auf dem zweiten Bild seht ihr beispielsweise einen „normalen TÜV-Brunnen, 700mm“. So ein Meißel könnte auch in eurem Garten zum Einsatz kommen.

Durch eine Tür geht’s weiter ins Pumpenlager. Hier liegen ähnlich zum Rohrlager allerlei Pumpen sortiert. Auf dem Foto ist der Pumpenprüfstand abgebildet. Dort können Pumpen in den eigens gebohrten Brunnenschacht eingelassen werden, um über ein zirkuläres Rohrsystem mit allerlei Messstationen dazwischen zu zeigen, was in ihnen steckt. Die Pumpen selbst sehen aus wie ein Stück Stahlrohr, an dessen dickeren, oberen Ende eine Art Motor verbaut ist.

In der benachbarten Halle befindet sich die Metallwerkstatt und die Schweißerei. Was mir gleich auffällt: Es ist ziemlich sauber und aufgeräumt. Herr Goldfuß meint, dass das hier absolute Priorität hätte, schließlich ginge es hier um unser aller Trinkwasser.

Bevor wir wieder rüber ins Verwaltungsgebäude laufen, zeigt Herr Goldfuß noch den Friedhof der Greifbohrer. Kam es früher zu der Situation, dass ein Brunnenrohr ausgewechselt oder abschnittsweise repariert werden musste, kamen solche Greifer zum Einsatz, die recht rabiat das Rohr einfach aus dem Boden rissen. Oft kam es vor, dass das Rohr im Boden stattdessen zerrissen wurde. Die Firma Ochs GmbH hat deswegen eine so genannte Wasserabrasivschneideanlage entwickelt. Damit kann ein Brunnenrohr durch einen Wasserstrahl wie mit einem Messer zerschnitten und dann einfach ausgewechselt werden. Wie diese Neuentwicklung aussieht, ist jedoch Betriebsgeheimnis…das Ergebnis seht ihr aber auf dem letzten Bild.

 

Doch wie genau wird denn so ein Brunnen nun gebohrt?

Alles beginnt mit einem Genehmigungsverfahren. Hierbei wird zunächst eine geologische Untersuchung des festgelegten Bohrpunktes unternommen. Das geschieht regelmäßig durch einen Geologen des Wasserwirtschaftsamts. Ist der Untergrund geeignet, kann mit der Bohrung des Brunnenschachts begonnen werden. Hierbei wird ein Schacht gebohrt, der den Durchmesser des äußeren Stahlrohrs hat. Dieses Rohr ist aus Wickeldraht und hat, ähnlich einem Filterrohr, zahlreiche Öffnungen, damit das Grundwasser in den Brunnenschacht eintreten kann, aber grobe Bestandteile des umliegenden Bodens nicht eingetragen werden.

Ist die gewünschte Tiefe erreicht und der Schacht frei von Geröll, wird ein zweites, engeres Rohr in den Schacht eingelassen. Dabei handelt es sich um das Filterrohr, bzw. im oberen Abschnitt des Brunnens um eine Steigleitung. Jetzt folgt die so genannte Entwicklung des Brunnens: In den Zwischenraum zwischen Außen- und Filterrohr wird Kies oder, wenn es etwas moderner sein darf: Glaskugeln, eingeschüttet. Diese Materialien filtern das eindringende Grundwasser schon mal physikalisch; die chemische und biologische Reinigung erfolgt nicht im Brunnen selbst. Die Brunnenentwicklung beinhaltet auch eine Optimierung der Förderkapazität und ist eine echte Meisterdisziplin: In Drei-Meter-Abschnitten werden die eingefüllten Filtermaterialien genau in Dichte und Material an das umliegende Gestein angepasst, um die höchste Effizienz zu erreichen.

 

Zum Schluss werden noch eine Steigleitung und die Pumpe eingebaut und der Brunnen über den Brunnenkopf nach einer sehr strengen mikrobiellen Untersuchung des geförderten Wassers an das Wassernetz angeschlossen.

Wenn es gut läuft, kann so ein Brunnen 70 bis 80 Jahre halten.

 

Auch dieses Jahr war wieder ein sehr trockenes Jahr. Sowas wirkt sich natürlich auch auf den Grundwasserspiegel aus. Meine Frage deshalb: Wurde bereits beobachtet, dass das Trinkwasser in unserer Region knapper wird?

Tatsächlich ist unsere Trinkwasserversorgung hier in der Region relativ sicher, es gibt kaum Schwankungen in der Fördertiefe. Die Trockenheit wirkt sich v.a. auf die obersten Bodenschichten aus. Das Wasserwirtschaftsamt hat da ganz genau den Blick drauf. Problematischer ist eher, dass auf den ehemaligen amerikanischen Kasernengeländen keine Brunnen eingezeichnet wurden, sodass nach deren Abzug das Grundwasser in der Region mehrere Meter ansteigen kann, was nicht selten bereits zu plötzlichen Überflutungen in der Umgebung geführt hat. Rund um Fürth darf bis zum mittleren Burgsandstein gebohrt werden, das entspricht in etwa 100 Metern. Unsere Reserven liegen bei mehr als 600 Metern, also keine Sorge.

Herr Goldfuß betont, wie hochmodern und innovativ das Gewerbe sei. Ich frage, ob es auch einen Technologietransfer in Entwicklungsländer gebe, die durchaus von der Expertise des Unternehmens profitieren könnten. Leider ist dies nicht der Fall, und das liege an mehreren Gründen. Einer davon sei das fehlende Interesse der Empfängerregionen, ein anderer die instabile Lage in eben jenen Regionen. Entwicklungshilfe in der Branche würde generell eher von der Bundeswehr übernommen. Es gäbe auch keine Verpflichtungen von Seiten der Bundesrepublik, Entwicklungshilfe als privatwirtschaftliches Unternehmen zu leisten. Ich finde das fatal, denn gerade technologisch unterentwickelte Regionen haben den größten Bedarf an technischen Lösungen für ihren sich verändernden Lebensraum…

 

Vielleicht benötigt es auch deshalb motivierte, junge Menschen, die in die entsprechenden Regionen gehen und mit dem hier gelernten vielen Menschen einen Dienst erweisen könnten.

Ihr wisst ja jetzt, wo mensch es lernen kann und was erwartet wird 😉

Ich verabschiede mich von Herrn Goldfuß und beende an dieser Stelle auch die heutige, zweite Ausgabe von „Komm’se rein, könn’se rausschaun“!

 

Ich hoffe, euch hat es Spaß gemacht, mich zu begleiten und dass ihr wieder ein paar Sachen lernen konntet. Ich bleibe auf jeden Fall weiter dran und werde bald von anderem Orte aus berichten.

Bis dahin,

 

- Bilder und Text: Euer rasender Reporter Aaron

 

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