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Flair Fürth: Das Innenleben und die Zukunft des Flair (+Bilderstrecke)


Was für eine schöne Idee das City Center doch war: Ein riesengroßes Einkaufszentrum im Herzen der Stadt, um Nürnberg in Sachen Kaufkraft die Stirn zu bieten und eine weitere Abwanderung von Läden und Käufern zu verhindern. Aber die Geschichte belehrte Fürth eines Besseren und machte das City Center kurzer Hand zu einer der größten Trauergeschichten der Stadt: 

Durch Eigentümerstreitereien, Missmanagement und abwandernde Mieter schrumpfe das City Center immer weiter zusammen. Auch das Kündigen aller noch bestehenden Mieter im Jahre 2012 mit dem scheiternden Plan der Sanierung und die spätere Neueröffnung - quasi ohne Läden - war der Sache nicht zuträglich. Spätestens als 2015 C&A, der letzte große Mieter, das City Center verließ war die Sache besiegelt.

 

[Mehr zur Geschichte des City Centers könnt ihr auf FürthWiki nachlesen]

Schild mit Aufschrift Schließung des City Centers
Quelle: https://www.fuerthwiki.de/wiki/index.php?curid=22434

Das City Center ist tot. Lang lebe das City Center?

 

Wie ein Retter aus der Not tauchte plötzlich P&P auf und bekundete Interesse an dem Objekt, obwohl etliche potenzielle Übernehmner in den Jahren davor - trotz Interesse - abgesagt haben.

 

Es war besiegelt: Das Flair – äh – City Center wird renoviert. Die stadtbekannte P&P Gruppe setzte sich mit den mehreren hundert Mietern auseinander und kaufte ihnen Stück für Stück die 26.000 Quadratmeter große Verkaufsfläche ab. Das City Center wurde geschlossen, ein Renovierungskonzept ausgearbeitet und die Arbeit begonnen. Der neue Name: Flair. Wieso? Flair für Ambiente und wer hätte schon was gegen ein gutes Ambiente.

 

Im Hier und Jetzt: 1.8.19 - 16 Uhr - Schwabacher Straße 5

 

Wir (das sind: Marlena (Fotos), Aaron und Luca) warten in der Fußgängerzone auf Marcus Gergele, unseren Interviewpartner. Pünktlich, auf die Minute, kommt er uns mit einer VR-Brille, versehen mit der Aufschrift „Flair“, und einer Mappe voller Unterlagen entgegen.

 

Nach einem kurzen Plausch über das Magazin begeben wir uns in Richtung der ehemaligen Reinigung „Kingsgard “. Außer der Werbung auf den Fenstern und dem Geruch von Reinigung ist nichts mehr übrig und ehe wir uns versehen stehen wir im – vielleicht – neuen Herzen Fürths.

Eingang des City Centers mit Marcus Geregele
Foto: Marlena Tinter

Wow “ sage ich leise zu mir selbst. Gergele antwortet lachend: „Genau. Wow.“

Was auf dem Papier schon nach einer mächtigen Zahl klingt, ist in echt noch viel beeindruckender: 26.000 Quadratmeter reine Verkaufsfläche.

 

Das gesamte Gebäude ist entkernt und von den einstigen Shops ist keine Spur mehr. Lediglich einige Reliquien, wie das Schild des City Centers, liegen in der Ecke gestapelt.

Anfangs sei viel Arbeit in die Planung, die Mieterbindung und die Konzeption gelegt worden. Deswegen habe man nach außen recht wenig bemerkt, so Gergele.

Foto des City Centers mit ehemaligen Eingangsschildern
Foto: Marlena Tinter

Zu bemerken war tatsächlich wenig. Außer der Banner, die an mancher Stelle den Gebäudekomplex von außen zierten, war für die Bürgerinnen und Bürger nicht viel zu erkennen. Erst, als auf einmal der ehemalige Haupteingang in der Schwabacherstraße (Fußgängerzone) dem Erdboden gleich gemacht wurde, trat die ganze Operation so langsam an die Öffentlichkeit und die Auswirkungen wurden sichtbar. Doch schon lange bevor am Äußeren auch nur gekratzt wurde, liefen die Arbeiten im Inneren bereits auf Hochtouren. Ganze Böden wurden herausgerissen, das Kabelmanagement neu gemacht und das ganze Center entkernt.

Auf die Frage, ob das nicht mit Lärmbelästigung für die im oberen Bereich wohnenden Mieter zusammenhängt, sagt der Projektentwickler: Er sei mit einem Mieter in Kontakt, der sowohl hier wohnt, als auch seine Praxis hier hat und dieser „dachte, es (Anm. der Red.: Der Umbau) wäre lauter “. Ab jetzt sind aber die lauten Arbeiten zum Großteil vorbei, versichert Gergele uns. Von nun an werden hauptsächlich leisere Arbeiten, wie Kleben, ausgeführt.

 

Da das Heinrich-Schliemann-Gymnasium nicht genug Raum hat, um alle - bzw. die Oberstufe - in den Hauptgebäuden unterzubringen, habe ich selbst zweimal die Woche Unterricht im Flair. Ich persönlich kann sagen, dass es durchaus kurze Zeit laut ist, aber es zu keiner Dauerlärmbelastung kommt.


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Aber zurück zum Konzept: Das Problem am City Center war, dass die Läden an den „langen Armen“ - wie bei einem Kraken - verhungerten, da sich die Kundschaft auf einzelne Abschnitte des 26.000 Quadratmeter großen Areals fokussierte. 

Der neue Plan ist es, alle Mieter am Hauptlauf unterzubringen, wofür allerdings ein kompletter Strukturumbau nötig war. So wurden durch alle Etagen Sichtachsen gebaut. Im Klartext führt das zu der Entfernung der Böden in bestimmten Abschnitten, was die Sicht durch alle Stockwerke ermöglicht. So können Kunden von jeder Etage aus sehen, was sie in den anderen Stockwerken erwartet.

Flair Fürth mit Sichtachsen durch die Etagen
Foto: Marlena Tinter

Auch die Eingänge waren ein Problem. Wer nicht wusste, dass hinter diesen Türen ein riesen Einkaufskomplex lag, hat es wohl nie herausgefunden. Denn die Eingänge waren zu klein beziehungsweise unscheinbar und ähnelten eher einem Zugang zu einer Tiefgarage. Auch das will P&P ändern. Vor allem der neue Haupteingang in der Schwabacherstraße wird ganz neue Dimensionen annehmen. Hierfür wurde das gesamte Gebäude abgerissen und an dessen Stelle tritt ein nichtmehr zu übersehender Eingang, den wir durch die VR Brille hautnah erleben dürfen. An den Seiten wird auch noch einmal auf die Auswahl an Läden aufmerksam gemacht werden.

Flair Fürth neuer Eingang mit Werbung der Marken an der Seite
Quelle: https://www.flair-fuerth.de

Marcus Gergele führt uns tiefer in das Innere hinein und wir landen bei einem verglasten Showroom in Mitten einer Baustelle. Dort erklärt er uns anhand eines Miniatur-Modells des gesamten Flairs, was mit dem ehemaligen C&A Gebäude passiert. Auch dieser Komplex wird komplett saniert und zukünftig auf Gastronomie ausgelegt sein. Anders als das restliche Flair bleibt der Gastrobereich auch nach 20 Uhr geöffnet. Außerdem soll die angrenzende Alexanderstraße gepflastert werden und als Ergänzung zur Fußgängerzone dienen.

Miniatur Modell des Flair Fürth
Foto: Marlena Tinter

Wir drehen uns zu einem Clipboard mit verschiedensten Zeichnungen und Entwürfen um. Dort erläutert Gergele uns, was besonders an dem neuen Innenkonzept ist:

Alles wird aufeinander abgestimmt und selbst die Möbel werden eigens für das Gebäude designed und hergestellt. Das Motto „Splash“ macht den Anfang und wird später wieder abgeändert. Sowieso soll im neuen Konzept alles verschmelzen und stimmig ineinander übergehen. Letztendlich ist das Ziel, einen Ort zu schaffen, in dem man nicht nur einkaufen, sondern auch abhängen kann und zwar für jeden: Von Barrierefreiheit bis hin zu einem Leitsystem für Blinde ist alles dabei. Gergele spricht von einem „Wohnzimmer der Stadt“. So wird es Aufenthaltsbereiche geben, in denen man die Möglichkeit hat, sich ganz ungezwungen zu bewegen und sich in Sitzecken hinzusetzten, ohne zwangsweise etwas kaufen oder konsumieren zu müssen. Sogar Ansteckoptionen für Handys oder Laptops werden zur Verfügung stehen.

Innengestaltung des Flair Fürth, Wohnzimmer der Stadt
Foto: Marlena Tinter

Wir schauen in unseren Gedanken eine Etage höher und fragen den Projektentwickler, was eigentlich mit den Menschen in den Mietwohnungen im Gebäude passiert.

Was wir noch nicht wussten, ist, dass P&P sich gar nicht an den Wohnungen bzw. dem Wohnkonzept beteiligt. Für deren Konzept sind die einzelnen Mieter selbst zuständig, so auch für den Park auf dem Dach.

Für die Renovierung des Parkhauses ist P&P allerdings zuständig und dafür gibt es auch einen Plan. Zu allererst soll das Parkhaus um einen Teil des Basements (ehemaliger Brunnen) erweitert werden. Zudem werden alle Parkplätze und das Parkhaus geräumiger, sodass alle Plätze und Wendekreise für einen VW T6 Bus ausgelegt sein werden. Durch die Erweiterung wird es letztendlich 20 Parklätze mehr geben. Und das Beste daran: Das Parkhaus wird aufgrund der teil- und schrittweisen Renovierung zu keinem Zeitpunkt geschlossen sein.

 

Welches Parkhaus es aber gar nicht erst geben wird, ist ein Fahrradparkhaus. Zwar wird es Fahrradständer geben, aber im großen Rahmen Fahrräder abzustellen, wie in einem Parkhaus wird nicht möglich sein.

Auf die Frage, wie es mit der Nachhaltigkeit aussieht, antwortet Gergele: „Gut.“ Leider widerspricht sich das mit dem nicht vorhandenen Fahrradparkhaus und einem für größere Fahrzeuge ausgelegtem Parkhaus. Aber was noch nicht ist, kann sicherlich noch werden. Und inwiefern die einzelnen Läden auf Nachhaltigkeit setzten, liegt bei den Betreibern selbst.

Ehemaliges C&A Gebäude im Flair Fürth
Foto: Marlena Tinter

Wir gehen weiter in Richtung des ehemaligen C&A Gebäudes, erhalten einen weiteren Einblick durch die VR Brille und nutzen die Gelegenheit für die letzte Frage des Tages: Wie sieht es eigentlich mit dem Interesse von Mieter Seite (Läden etc.) her aus?

Gergele beruhigt und zählt die Fakten auf. Bis jetzt haben sie einen sehr guten Rücklauf und konnten auch schon die ersten Mieter verkünden. Auch liegen sie sehr gut im Zeitplan, da es schon zwei Jahre vor der Eröffnung unterschriebene Mietverträge gibt. Andere Center versuchen ein halbes Jahr vor der Eröffnung noch schnell Läden zu finden, so Gergele. Er merkt aber auch die Schwierigkeiten an, die es bei den Gesprächen gibt. Sie müssen Fürth den Marken erst „klar machen“. Auch, dass es trotz der angrenzenden „Neuen Mitte“ noch genug Kaufkraft gibt sei ein wichtiges Argument. Im Großen und Ganzen spräche allerdings viel für Fürth. Von einer niedrigen Arbeitslosigkeit (niedriger als in Nürnberg), über den Fakt, dass sich in der Kleeblattstadt einiges getan hat, bis hin zu einem niedrigen Angebot. P&P sei optimistisch, dass mit der Vermietung alles klappt.

 

Na dann, wünschen wir doch viel Glück dabei.

Wir gehen wieder in Richtung Ausgang und verabschieden uns. Es war ein wahnsinnig spannendes Erlebnis und wir danken Herrn Gergele und der P&P Gruppe für die Möglichkeit der Besichtigung.

Foto: Marlena Tinter
Foto: Marlena Tinter

Recherche: Aaron und Luca

Fotos: Marlena Tinter

Text/Artikel: Luca M Schallenberger, Chefredakteur

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Kommentare: 2
  • #1

    nico schneider (Donnerstag, 15 August 2019 13:50)

    ich liebe es, so detaillierte Einblicke in den Umbau öffentlicher Gebäude zu erhalten! Gut berichtet, danke dafür!

  • #2

    Bilx (Montag, 09 Dezember 2019 10:01)

    Guter Bericht..
    Als früherer direkter Nachbar des City-Centers bin ich extrem traurig über diese Entwicklung. Meine Kindheit steckt in diesen Hallen. Schade.
    Ich glaube kaum, dass das Flair den Erfolg bringen wird, den man sich wünscht.
    Fürth hat nämlich ein generelles Problem mit Besuchern.. z.B... ja ihr wisst schon..