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RIP: Alle drei Tage zusammengefasst


Tag 1:

Nachmittags um kurz vor vier auf dem Zeppelinfeld, mitten in der prallen Sonne, warteten mehrere tausende Fans auf die Mecklenburg Vorpommern Rockband "Feine Sahne Fischfilet". Die Bühne war mit einem Tuch verdeckt, welches ein Bauarbeiter Dekolleté mit dem Tattoo des Bandschriftzuges zeigte. Das Publikum grölte Songs, bis endlich der Vorhang fiel und die Band begann die Bühne zu rocken. Die Beteiligung des Publikums war rege. Fast jeder Song wurde durchgehend mitgegrölt, es wurde gemoshed, getanzt. Bei dem Lied "Warten auf das Meer" setzten sich alle hin und standen erst mit dem Refrain wieder auf. Das unumstrittene Highlight des Abends allerdings war das Konzert der selbsternannten "besten Band der Welt", "die Ärzte". Vor Beginn war hier ebenfalls die Bühne mit einem Vorhang bedeckt. Um das Publikum etwas auf die Folter zu spannen, spielten die Ärzte erst den Refrain von "Country Roads" an, als der Vorhang noch über die Bühne gespannt war. Als der Vorhang dann endlich nach einer guten dreiviertel Stunde Umbauarbeiten und dem Intro gefallen war, lieferten die Ärzte eine großartige Show ab, inklusive des obligatorischen Regenschauers gegen halb elf. Trotz der sechs Jahre Pause, oder wie Bela es nannte, "sechs Jahre auf die faule Haut gelegt", merkte man ihnen ihre langjährige Bühnenerfahrung an. Die Interaktionen mit dem Publikum und die Dialoge auf der Bühne, sowie spontane Reaktionen auf das Riesenrad, Wetter und Publikum kamen punktgenau und zum Teil frech und machten ordentlich Stimmung. Ihr Können, die Lieder ineinander überzuleiten, oder während eines Liedes ein anderes kurz an zu spielen, aber dann zum anfänglichen Lied zurück zu kommen,
als wäre nichts gewesen, ließen die Massen eskalieren. Etwa nach der Hälfte des Konzertes zierten zwei Büstenhalter einen Mikrofonständer. Als dann der Regen auf die Menge zu prasseln begann, wurde teils in Regenschutz munter weiter gefeiert. Farin Urlaub dachte sich eine Choreographie für das Publikum aus, und es wurden dynamischere Liedpassagen ausgebaut, zu denen viel Pogo getanzt wurde. Totale Eskalation. Doch auch die Politik kam bei den Konzerten der deutschen Künstler, die sich ohnehin schon durch kritische Texte auszeichnen, nicht zu kurz. Monchi, der Sänger von "Feine Sahne
Fischfilet" hielt eine Rede gegen die unterlassene Seenotrettung an den Mittelmeerküsten Europas und widmete den Helfern der Sea Watch den Song "Zuhause", in dem es um Flucht geht. Auch wurde ein "Fack You" an Horst Seehofer und seine doppelmoralische Politik gerichtet. Die Ärzte wünschten der AfD einen sauerstoffarmen Planeten für sie allein.

Tag 2:

Den zweiten Tag eröffneten "Blackout Problems" in der Alternarena. Dort, wo sonst die "Ice Tigers" spielen, war jetzt eine Bühne aufgebaut, der Boden mit schwarzen Platten abgedeckt und die Ausgänge abgedunkelt. Die deutsche Band erinnerte optisch und musikalisch ein klein wenig an "Green Day". Vor der, verhältnismäßig zu den anderen, kleinen Bühne hatte sich eine beachtliche Menschenmenge angesammelt. Die Nähe der Band und ihre Interaktion sorgten für ordentlich Stimmung in der Halle. Als der Sänger mitten in einem Lied ins Publikum lief, um dort zu Ende zu singen, war eine großartige Erfahrung. Nach einer Band Pause ging es mit Adam Angst ebenfalls in der Alternarena weiter. Hier war die Halle prall gefüllt. Es wurde viel Pogo getanzt und mitgesungen. Wie schon am Vortag wurde sich auch hier gegen Nazis geäußert. Gegen Ende des Konzertes verließ auch hier der Sänger die Bühne und Sang im Publikum, mitten im Moshpit, in der Pogo tanzenden Menge, weiter. Kurz vor sechs Uhr Abends spielten dann "The BossHoss" auf dem Zeppelinfeld und "Kontra K" parallel auf der "Beck's Park Stage". "The BossHoss" lieferten eine gute Show ab, der Sänger crowdsurfte bäuchlings und oberkörperfrei, jedoch hatte der Funke der Band leichte Schwierigkeiten komplett auf das Publikum überzuspringen. "Kontra K" hatte einen Kollegen mit auf der Bühne. Die Fans waren in guter Stimmung und sangen größtenteils die Texte mit.



Der Headliner des Abends, "Slipknot", spielte mit einer viertel Stunde Verspätung auf dem Zeppelinfeld. In den Wellenbrechern Nähe der Bühne wurde exzessiv Pogo getanzt. Das Publikum ging in der Musik auf und es bildeten sich auch in den hinteren Reihen Moshpits, in denen so lange getanzt wurde bis Mund, Nase, Haare und Kleidung voll mit dem aufgewirbelten Sand und Staub des Bodens waren. Der verspätete Anfang wurde mit einer Verlängerung ausgeglichen, sodass die Fans voll auf ihre Kosten kamen. Der zweite Tag endete dort, wo er begann, mit einem Konzert von den "Eagles of death Metal" in der Alternarena. Die fortgeschrittene Stunde merkte man den Publikum in Teilen an, vor der Bühne wurde jedoch bis zum Ende getanzt und gefeiert.

Tag 3:

Der letzte Tag hatte abends gleich zwei Topacts gelistet: "Tool" und "Slayer". Zuvor spielten um viertel vor sechs Abends "Cage the Elephant" auf der "Beck's Park Stage" mit einem Sänger, der deutlich intoxikiert zu sein schien. Zeitweise wirkte er so neben sich stehend, dass es zu befürchten war, er würde gleich zusammenbrechen oder von der Bühne fallen. Trotz oder wegen der schrägen Show des an einen jungen Mick Jaggers erinnernden Sängers war die Stimmung heiter und ausgelassen. Während des Auftrittes schaute kurz ein leichter Regenschauer vorbei, dieser konnte der guten Stimmung nichts anhaben und so zog der Regen kurz darauf wieder ab. Es hatte so wenig geregnet, dass bei "SDP" zwei Stunden später, auf derselben Bühne, der Boden wieder staubtrocken war. Die Jungs von "SDP" tanzten und sprangen energiegeladen zu ihren Liedern auf der Bühne umher und sorgten für eine grandiose Stimmung. Das Publikum sang ausgelassen und feierte mit den Sängern auf der Bühne. Um den Song "Ne Leiche" anzumoderieren betraten zwei Männer in grünen Polizeikostümen die Bühne mit einem Durchsuchungsbefehl. Eine in einem großen Koffer versteckte Gummipuppe symbolisierte die Leiche und wurde in einem riesigen Moshpit vor der Bühne entsorgt, welcher so viel Dreck und Sand aufwirbelte, dass die Bühne kurzzeitig hinter einer gigantischen Staubwolke verschwand. Wer sich nach dem Konzert beeilte konnte sogar noch frisch ausgespülte Dixiklos nahe der Bühne benutzen. Mit der Dämmerung begann "Tool" auf dem Zeppelinfeld zu spielen. Die Tatsache, dass auf den großen Bildschirmen neben der Bühne nicht die Band sondern das Hintergrundvideo zu sehen war erschwerte den hinteren Reihen die Nähe zu dem Liveauftritt zu finden und Zugang zur Musik zu bekommen. Die Videos zeigten postapokalyptische Szenen, die eine eher bedrückende Stimmung verbreiteten. Zum Abschluss des Auftrittes gab es ein Feuerwerk mit dem das Zeppelinfeld mit Rock im Park 2019 abschloss. Das letzte Konzert auf der "Beck's Park Stage" für dieses Jahr gab die Band "Slayer". Rote Bühnen-beleuchtung tauchte die Dunkelheit in einen feurigen Glanz. Das Festival hatte an den Kräften des Publikums gezehrt, das merkte man deutlich. Trotz der allgemeinen Ermattung herrschte gute Stimmung und es wurde zur Musik getanzt. Ein fast schon kitschiger Abschluss, trotz der harten Klänge der Musik.

 

- Franzi, Redakteurin



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